Die deutsche Fußballnationalmannschaft musste im letzten Gruppenspiel der WM 2026 eine 1:2-Niederlage gegen Ecuador hinnehmen. Obwohl das Weiterkommen in die K.o.-Runde bereits gesichert war, wirft die Leistung der Mannschaft Fragen auf, insbesondere hinsichtlich der körperlichen Verfassung und taktischen Ausrichtung. Die Niederlage gegen Ecuador war die erste für Deutschland in der Vorrunde dieser Weltmeisterschaft, die in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen wird.
Bereits nach dem Spiel gegen die Elfenbeinküste, das Deutschland mit 2:1 gewann, war die körperliche Unterlegenheit der Mannschaft intern ein Thema. Es wurde festgestellt, dass ein Großteil der Spieler Schwierigkeiten hatte, sich in Zweikämpfen gegen physisch starke Gegner zu behaupten. Bundestrainer Julian Nagelsmann äußerte sich dazu und betonte, dass Körperlichkeit schwer zu trainieren sei. Er schlug vor, den Ball früher zu spielen, um Zweikämpfen aus dem Weg zu gehen. Dies wirft jedoch Bedenken auf, wie die Mannschaft gegen aggressive Gegner wie einen möglichen Kontrahenten Paraguay bestehen soll.
Körperliche Defizite und Zweikampfbilanz
Die Statistiken des Spiels gegen Ecuador zeigen, dass Deutschland zwar 50 Prozent der Zweikämpfe gewann, jedoch sieben der 15 eingesetzten deutschen Feldspieler eine negative Zweikampfbilanz aufwiesen. Spieler wie Pavlovic und der eingewechselte Stiller verloren mehr Zweikämpfe als sie gewannen. Diese Zahlen unterstreichen die Sorge um die physische Robustheit der Mannschaft. Kapitän Joshua Kimmich bemängelte nach der Niederlage, dass der Gegner „griffiger“ gewesen sei und die deutsche Mannschaft in der Mitte der ersten Halbzeit die Kontrolle verloren habe, weil zu viele Ballverluste und direkte Duelle verloren wurden.
Ein weiteres Problem ist, dass die deutsche Mannschaft in jedem Spiel mindestens ein Gegentor kassiert hat. Auch die Offensive um Kai Havertz, Florian Wirtz, Jamal Musiala und Leroy Sané konnte sich nicht wie gewünscht durchsetzen, obwohl Spieler wie Havertz und Wirtz in einer als robust geltenden Liga spielen. Die Mannschaft zeigt derzeit nicht die Wucht, für die deutsche Nationalmannschaften in der Vergangenheit bekannt waren.

Taktische Experimente und Kritik
Nach der Niederlage gegen Ecuador kamen auch Spekulationen über die taktische Herangehensweise der deutschen Mannschaft auf. Christoph Kramer, ZDF-Experte und ehemaliger Bundesliga-Profi, äußerte den Verdacht, dass die Mannschaft bewusst tief im Block gestanden habe, um unter Wettkampfbedingungen zu testen, wie sie in einem tiefen Block spielt. Er war von dieser These so überzeugt, dass er darauf wettete, es sei eine klare Vorgabe gewesen. Als Beispiel nannte er Leroy Sané, der phasenweise so tief stand, dass die Verteidigungsformation zu einer Fünferkette wurde.
Kramer zog jedoch das Fazit, dass die deutsche Mannschaft nicht die Spieler für einen tiefen Block habe. Sein ZDF-Expertenkollege Per Mertesacker pflichtete ihm bei und betonte, dass er nicht glaube, dass das Team in einem tiefen Block erfolgreich sein könne. Beide Experten sind der Meinung, dass die deutsche Mannschaft eigenen Ballbesitz benötigt, um gefährlich zu sein und das Spiel zu bestimmen. Sie können sich nicht vorstellen, dass das DFB-Team gegen einen möglichen Gegner wie Frankreich erfolgreich wäre, wenn es sich nur auf die Verteidigung konzentriert.
Lothar Matthäus kritisierte die Leistung ebenfalls scharf und bezeichnete die Niederlage als verdient gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner. Er sah die vielen Wechsel nach einer Stunde Spielzeit als Ursache für das entstandene Durcheinander und die Verunsicherung in der Mannschaft. Matthäus hätte die Belastungssteuerung anders gehandhabt und die Spieler, die später eingewechselt wurden, von Anfang an spielen lassen. Er hob hervor, dass der schnelle Ausgleich von Nilson Angulo nach der deutschen Führung durch Leroy Sané in der 2. Minute keine Sicherheit gebracht habe.
Die deutsche Mannschaft steht nun vor dem Sechzehntelfinale in Boston. Matthäus betonte, dass es ab der K.o.-Phase keine Entschuldigungen mehr gebe und der kleinste Fehler bestraft werde. Er hofft, dass Julian Nagelsmann die richtigen Worte finden wird, um die Mannschaft wieder aufzubauen. Das nächste K.o.-Spiel findet am Montag statt.
Read Also
Source: bild.de