Englands WM-Traum endet im Halbfinale gegen Argentinien

"Herzzerreißend": Pressestimmen zu Englands WM-Aus gegen Argentinien

Englands WM-Aus und die Kritik am Trainer

Die englische Nationalmannschaft hat das Halbfinale der Weltmeisterschaft in einem dramatischen Spiel gegen Argentinien verloren. Die „Three Lions“ führten bis kurz vor Schluss, mussten sich aber nach zwei späten Gegentoren mit 1:2 geschlagen geben. Dieses Ergebnis bedeutet, dass England weiterhin auf die erste Teilnahme an einem WM-Finale seit dem Titelgewinn im Jahr 1966 warten muss. Die Enttäuschung ist groß, und die Presse übt scharfe Kritik an Nationaltrainer Thomas Tuchel.

Die englische Presse zeigte sich nach der Niederlage tief betroffen. „The Sun“ sprach von einer „Welt des Leids“ und zitierte Fans, die die Schuld bei Tuchel sahen und seine Auswechslungen als „feige“ bezeichneten. „The Guardian“ titelte, Argentinien habe „Englands Herzen gebrochen“, während die „Daily Mail“ von „Herzschmerz in Atlanta“ berichtete und betonte, dass es sich um die dritte Halbfinalniederlage in Folge handele, die besonders schmerzhaft sei. „The Mirror“ bezeichnete das Ergebnis als „herzzerreißend“ und sah Tuchels Wechsel als gescheitert an.

Ex-Nationalspieler Micah Richards kritisierte Tuchels Taktik nach der Führung, als er auf eine defensive Fünferkette umstellte. Richards war der Meinung, dass England das Momentum hätte aufrechterhalten können, wenn stattdessen offensive Flügelspieler gebracht worden wären. Auch Joe Hart, ein weiterer ehemaliger Nationalspieler, äußerte sich kritisch und interpretierte Tuchels frühe Umstellung auf Defensive als mangelndes Vertrauen in die Fähigkeit des Teams, Argentinien weiterhin unter Druck zu setzen. Hart betonte, dass England in großen Spielen erneut mit leeren Händen dastehe.

Thomas Tuchel traurig
Thomas Tuchel traurig Credit: sportschau.de

Dramatischer Spielverlauf und Tuchels Reaktion

Das Spiel nahm eine dramatische Wendung, nachdem Anthony Gordon in der 55. Minute die Führung für England erzielt hatte. Die „Three Lions“ waren dem Einzug ins Finale sehr nahe, doch in der Schlussphase drehte Argentinien die Partie. Enzo Fernández traf in der 85. Minute zum Ausgleich, und Lautaro Martínez erzielte in der 90.+2 Minute den Siegtreffer für die „Albiceleste“. Die späten Gegentore führten zu einer 1:2-Niederlage, die den Traum vom Titel für England beendete.

Thomas Tuchel äußerte sich nach dem Spiel enttäuscht und gab zu, dass das Team zu passiv geworden sei, nachdem es in Führung gegangen war. Er übernahm die Verantwortung für die defensiven Wechsel, die er vorgenommen hatte, um Lücken zu schließen und in der Luft stärker zu sein. Tuchel erklärte, dass es im Nachhinein leicht sei zu sagen, dass die Entscheidung falsch war, wenn sie nicht aufgehe. Er betonte jedoch, dass er nichts bereue und das Team alles gegeben habe, vielleicht sogar eines seiner besten Spiele unter den gegebenen Umständen.

Der deutsche Ex-Nationalspieler Mats Hummels kommentierte bei MagentaTV, dass England sich viel zu früh im eigenen Sechzehner verschanzen wollte. Er meinte, dies hätte vielleicht 20 Minuten später passieren dürfen, aber nicht zu einem so frühen Zeitpunkt des Spiels. Tuchel wurde in einem Interview auch gefragt, ob im Turnier das England zu sehen war, das er sehen wollte. Er zeigte sich überrascht von der Frage und sagte, er habe keine Antwort darauf und wisse nicht, was das bedeuten solle. Er verwies auf die gezeigte Mentalität und die Überwindung vieler Hindernisse im Turnierverlauf.

Internationale Reaktionen und königliche Unterstützung

Die internationale Presse feierte den Sieg Argentiniens und den Einzug ins Finale. „Clarín“ aus Argentinien schrieb, die „Albiceleste“ habe erneut Geschichte geschrieben und stehe im Finale gegen Spanien. „Olé“ feierte die Spieler als „Helden“ und sprach von einer historischen Aufholjagd. Die spanische Zeitung „Marca“ freute sich auf das „Finalissima“ und kritisierte Tuchel. „AS“ hob hervor, dass Lionel Messi einen weiteren WM-Titel wolle und seine brillante Leistung Argentinien ins Finale gebracht habe. „L’Équipe“ aus Frankreich sprach von einem „heroischen Argentinien„, das eine außergewöhnliche Aufholjagd hingelegt habe.

In Italien berichtete die „Gazzetta dello Sport“ von Messis zwei Assists und Lautaros Tor in der 92. Minute, die Argentinien ins Finale gegen Spanien brachten. Der „Corriere dello Sport“ hob hervor, dass Argentinien zum zweiten Mal in Folge im WM-Finale stehe, und die „Kronen-Zeitung“ aus Österreich sprach von einem „Wahnsinn“ und einem „Herzbrecher“ für die Briten.

Auch der britische Thronfolger Prinz William meldete sich nach der Niederlage zu Wort. Er sprach der englischen Nationalmannschaft Mut zu und würdigte ihren Auftritt. Auf Instagram schrieb er, dass die Familie „am Boden zerstört“ sei, aber „alle so stolz“ auf das Team seien. Er dankte allen Beteiligten für ein „unglaubliches Turnier“ und forderte Kapitän Harry Kane und seine Teamkollegen auf, den Kopf oben zu halten. Prinz William schwärmte vom Kampfgeist und Glauben, den das Team gezeigt habe, und bezeichnete es als die „kompletteste englische Mannschaft, die es je bei einem Turnier gab“.

Für England steht nun noch das Spiel um Platz 3 an, wo sie am Samstag auf Frankreich treffen werden.

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Source: sportschau.de

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Niklas Bauer

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.