Die Bundesliga führt zur kommenden Saison mehrere Regeländerungen ein, die zuvor bei der Weltmeisterschaft 2026 angewendet wurden. Diese Neuerungen, die darauf abzielen, die Nettospielzeit zu erhöhen und Zeitspiel zu reduzieren, stoßen bei den Trainern auf geteiltes Echo.
Zu den wichtigsten Änderungen gehört die Einführung von Fünf-Sekunden-Countdowns bei Abstößen und Einwürfen, um Verzögerungen zu minimieren. Sollte der Countdown ablaufen, ohne dass das Spiel fortgesetzt wurde, wechselt der Ballbesitz. Bei einem Abstoß erhält das gegnerische Team einen Eckstoß, während bei einem Einwurf das Einwurfrecht wechselt.
Neue Zeitlimits und Zwangspausen
Auch bei Spielerwechseln gibt es künftig ein strikteres Zeitlimit: Ausgewechselte Spieler müssen den Platz innerhalb von zehn Sekunden verlassen. Wird diese Frist nicht eingehalten, darf der einzuwechselnde Spieler erst nach einer Wartezeit von einer Minute und bei der nächsten Spielunterbrechung das Feld betreten. Dies führt dazu, dass das wechselnde Team für mindestens eine Minute in Unterzahl agiert.
Eine weitere Regel betrifft Verletzungsunterbrechungen. Spieler, die auf dem Feld behandelt werden oder eine verletzungsbedingte Spielunterbrechung verursachen, müssen das Spielfeld verlassen und dürfen erst nach einer Minute Wartezeit wieder eintreten. Ausnahmen gelten für Torhüter, bei Zusammenstößen von Spielern desselben Teams oder zwischen Torhüter und Feldspieler, bei schweren Verletzungen, bei Fouls, die eine persönliche Strafe nach sich ziehen und deren Behandlung schnell abgeschlossen ist, sowie bei einem Strafstoß, den der verletzte Spieler ausführen soll.

Diese Maßnahmen zur Beschleunigung des Spiels werden von einem Großteil der Bundesliga-Trainer begrüßt, da sie die Attraktivität des Spiels steigern sollen. Julian Schuster, Trainer des SC Freiburg, äußert sich jedoch kritisch. Er sieht in den vielen kleinen Eingriffen, die jeder Schiedsrichter individuell auslegen kann, nicht den richtigen Ansatz. Stattdessen plädiert er dafür, Zeitspiel konsequent nachzuspielen.
VAR-Eingriff und Schmuckregelung
Die Regelung zu Behandlungspausen ruft ebenfalls gemischte Gefühle hervor. Christian Ilzer, Trainer der TSG Hoffenheim, betont die Wichtigkeit, dass echte Verletzungen nicht benachteiligt werden und Spieler aus Angst vor einer Zwangspause keine notwendige medizinische Hilfe hinauszögern sollten. Er fordert Schiedsrichter und Ärzte auf, mit gesundem Menschenverstand zu handeln.
Eine weitere Neuerung betrifft den VAR. Dieser darf künftig bei Gelb-Roten Karten eingreifen, wenn die zweite Gelbe Karte eindeutig falsch war oder bei Spielerverwechslungen. Die von der FIFA neu eingeführte Überprüfung und eventuelle Revision von gegebenen Standardsituationen durch den VAR wird in der Bundesliga jedoch nicht übernommen.

Im Falle einer Vorteilsauslegung, bei der der Schiedsrichter das Spiel weiterlaufen lässt und daraus ein Tor entsteht, entfallen persönliche Strafen für das Vereiteln einer offensichtlichen Torchance. Dies gilt beispielsweise bei einer „Notbremse“ oder wenn ein Verteidiger den Ball auf der Torlinie abwehrt und anschließend ein Tor erzielt wird. Die Vorteilsregelung kann ab der Saison 2026/27 auch bei einer nicht korrekten Spielfortsetzung angewandt werden.
Zudem ist es künftig erlaubt, Schmuck oder Accessoires während des Spiels zu tragen, sofern diese ungefährlich und sicher abgedeckt sind und keine Gefahr für die Beteiligten darstellen. Trotz dieser Erlaubnis wird weiterhin empfohlen, beim Sport keinen Schmuck zu tragen. Die neuen Regeln treten zum Start der Saison 2026 in Kraft.
Source: t-online.de