München: FC Bayern Sportvorstand Eberl kritisiert FIFA-Pläne scharf

FC Bayern: Wegen WM-Verkaufsplänen: Eberl-Attacke auf Infantino! - BILD

Eberls deutliche Kritik an FIFA-Plänen

Max Eberl (52), Sportvorstand des FC Bayern, hat sich kritisch zu den Plänen des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino (56) geäußert, Anteile an der Weltmeisterschaft zu verkaufen. Bei der Vorstellung von Neuzugang Nathaniel Brown (23) im Trainingslager am Tegernsee bezeichnete Eberl die Überlegungen als „beschämend“ und äußerte, dass sie ihn „ekeln“ würden. Er betonte, dass der Fußball ein Spiel sei und nicht der FIFA gehöre, deren Aufgabe es sei, das Spiel zu begleiten und Regeln zu schaffen, anstatt primär Profit zu erzielen.

Eberl äußerte sein Unbehagen darüber, dass der Fußball anscheinend nur noch dazu diene, auf allen möglichen Kanälen Geld zu verdienen. Er fühle sich als „Kind des Fußballs“ und sei entsetzt über die Richtung, die der Weltverband einschlage. Die Kritik richtet sich insbesondere gegen Berichte, wonach Infantino eine Privatisierung der Weltmeisterschaft anstrebe.

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Möglicher Europa-Boykott und breiter Widerstand

Angesichts der Pläne drohte Eberl mit der Unterstützung eines möglichen Europa-Boykotts. Er begrüßte die Einberufung einer Krisensitzung durch die UEFA, um über solche Maßnahmen zu beraten. Obwohl er sich grundsätzlich als „Freund von Dialog“ bezeichnete, erklärte er, dass er in dieser Situation einen starken Widerstand Europas befürworten würde, um zu signalisieren, dass dies nicht der Sport sei, den man wolle.

Die UEFA hatte bereits zuvor deutliche Kritik an den Vorhaben der FIFA geäußert und mitgeteilt, dass „eine Grenze überschritten“ werde. Die europäische Fußball-Union nehme die Angelegenheit „äußerst ernst“ und forderte alle nationalen Fußballverbände auf, dies ebenfalls zu tun. Berichten zufolge sollte bei der UEFA-Sitzung auch ein möglicher Boykott der Weltmeisterschaft thematisiert werden.

Auch andere Kontinentalverbände, darunter jene aus Asien sowie Nord- und Mittelamerika, zeigten sich inhaltlich offen für die Diskussion, beschwerten sich jedoch darüber, nicht vorab über Infantinos Pläne informiert worden zu sein. Der Widerstand gegen die Pläne wächst, wie die UEFA betonte, und die FIFA könne nicht einfach fortfahren, den Sport zu nutzen, um „sich selbst und ihre Freunde reicher zu machen“.

Details zu Infantinos Plänen und Fristsetzung

Die FIFA bestätigte die Gründung der Tochtergesellschaft „FIFA Forward Enterprise“ (FFE), in der die kommerziellen Aktivitäten und das Veranstaltungsgeschäft gebündelt werden sollen. Basierend auf einer anfänglichen Eigenkapitalbewertung von 20 Milliarden Dollar soll die FFE im Laufe dieses Jahres durch die Zusammenarbeit mit Investoren bis zu 4,2 Milliarden Dollar aufbringen. Laut Berichten der „Times“ soll eine Mehrheit der Anteile bei der FIFA verbleiben, während private Investoren zunächst 20 bis 30 Prozent erwerben könnten. Rund 20 Prozent der Anteile sollen den 211 Mitgliedsverbänden der FIFA zugutekommen.

Gianni Infantino hat den 211 Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September gesetzt, um den Plänen zuzustimmen. Einem vorliegenden Brief zufolge reicht eine einfache Mehrheit der Verbände aus, um das Investoren-Vorhaben umzusetzen. Sollten 106 Verbände zustimmen, könnten ab dem 1. Januar 2027 deutlich höhere Geldbeträge an die einzelnen Verbände fließen, wobei die Summen bis 2038 im besten Fall verdreifacht werden könnten. Aus dem Brief geht hervor, dass eine schriftliche Zustimmung ausreichend ist.

FIFA-Präsident Gianni Infantion zeigt den Daumen hoch
FIFA-Präsident Gianni Infantion zeigt den Daumen hoch Credit: sportschau.de

Reaktionen aus dem deutschen Fußball

Die angeblichen FIFA-Pläne sorgten auch beim Internationalen Trainer-Kongress in Mainz für Diskussionen. In einer Runde mit BVB-Berater Matthias Sammer (58), Union-Frauentrainerin Marie-Louise Eta (35), Darmstadt-Trainer Florian Kohfeldt (43) und Stuttgart-Erfolgscoach Sebastian Hoeneß (44) äußerten die Trainer ihren Unmut. Matthias Sammer warnte davor, die Integrität des Spiels zu gefährden, wenn man glaubt, immer weiterdrehen zu müssen. Er betonte, dass solche Eingriffe die emotionale Glaubwürdigkeit des Fußballs infrage stellen würden.

Sebastian Hoeneß zeigte sich nicht verwundert über das Aufkommen solcher Gedanken, während Florian Kohfeldt die Pläne aus persönlicher Sicht als „Vollkatastrophe“ bezeichnete. Er befürchtet, dass durch die zunehmende Kommerzialisierung das Wichtigste, das Spiel selbst, immer weiter in den Hintergrund rückt und man dabei „einige verlieren“ werde.

Auch Bundesliga-Chef Hans-Joachim Watzke, Vizepräsident der UEFA, äußerte sich kritisch und bezeichnete die Pläne als „absoluten Angriff auf den Fußball“. Er teilte diese Haltung und betonte, dass die UEFA, wenn sie geschlossen auftrete, „sehr viel Gewicht“ haben könne. DFB-Präsident Bernd Neuendorf kritisierte die Vorgehensweise von Infantino ebenfalls scharf und appellierte an die Einheit der europäischen Mitgliedsverbände. Er zeigte sich überzeugt, dass die FIFA keine Investoren finden werde, sollte sich die UEFA geschlossen gegen den Plan stellen.

Source: bild.de

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Niklas Bauer

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.