Fifa-Boss Infantino plant Verkauf von WM-Anteilen

Gianni Infantino: Fifa-Boss will Anteile an Fußball-WM verkaufen

Fifa plant Verkauf von WM-Anteilen

Die Fifa beabsichtigt, Anteile an der Fußball-Weltmeisterschaft zu veräußern, um dadurch Milliarden von Dollar zu generieren. Zukünftige Weltmeisterschaften sollen unter dem Dach eines neuen Unternehmens organisiert werden, bei dem der Weltverband die Mehrheit der Anteile halten würde. Berichten zufolge könnten bereits vorläufige Vereinbarungen über die Bedingungen eines solchen Deals unterzeichnet worden sein, dessen Wert über 17 Milliarden Euro betragen könnte.

Die Pläne sehen vor, dass private Geldgeber etwa 20 Prozent der Anteile an der neu zu gründenden Tochtergesellschaft FFE erwerben können. Der Wert der FFE wird zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar festgelegt. In der FFE sollen die kommerziellen Rechte an verschiedenen Fifa-Wettbewerben gebündelt werden, darunter die Männer- und Frauen-WM sowie die Klub-WM.

Die Fifa gab die Gründung der Tochtergesellschaft Fifa Forward Enterprise (FFE) bekannt. Diese Gesellschaft wird zukünftig die kommerziellen Aktivitäten und das Veranstaltungsgeschäft der Fifa bündeln. Ausgehend von einer anfänglichen Eigenkapitalbewertung von 20 Milliarden Dollar soll die FFE im Laufe dieses Jahres durch die Zusammenarbeit mit Investoren bis zu 4,2 Milliarden Dollar einwerben.

Kritik und mögliche Auswirkungen

Die Pläne von Fifa-Präsident Gianni Infantino stoßen auf erheblichen Widerstand. Die Uefa äußerte scharfe Kritik und erklärte, dass damit eine Grenze überschritten werde, die die Führungsgremien des Fußballs niemals überschreiten sollten. Die Uefa nimmt diese Angelegenheit äußerst ernst und fordert alle nationalen Fußballverbände auf, dies ebenfalls zu tun. Sie betont, dass die Seele und die Führung des Fußballs keine Vermögenswerte sind, mit denen gehandelt werden darf, insbesondere wenn die finanziellen Profiteure intransparent sind.

Fifa-Boss Infantino im Januar in Rabat, Marokko
Fifa-Boss Infantino im Januar in Rabat, MarokkoFoto: Visionhaus / Getty Images Credit: spiegel.de

Die Uefa stellte klar, dass niemand den Fußball besitzt und es der Fifa nicht zusteht, ihn zu verkaufen. Diese Haltung wird auch an alle Beteiligten gerichtet, darunter Ligen, Vereine, Spieler, Fans und Regierungen, denen die Zukunft des Sports am Herzen liegt. Die europäische Fußball-Union hält von den Plänen nichts und veröffentlichte eine deutlich formulierte Stellungnahme.

Berichten zufolge wurde die Regierung von US-Präsident Donald Trump bezüglich des Plans konsultiert. Die Firma von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner soll die Investorengruppe anführen. Die Investmentbank JPMorgan soll den Prozess abwickeln. Zwischen Infantino und Trump besteht seit Jahren ein enges Verhältnis. Als möglicher Großinvestor wird auch Joshua Kushner, der Bruder von Jared Kushner, genannt. Die US-Bank JP Morgan wird ebenfalls als potenzieller Investor erwähnt.

Infantinos Rolle und finanzielle Anreize

Gianni Infantino, der laut Statuten nur bis 2031 Fifa-Präsident bleiben darf, könnte anschließend Kommissar oder Geschäftsführer der neuen Organisation werden. Es gilt als wahrscheinlich, dass er im kommenden Jahr bis 2031 wiedergewählt wird. Mehr als 200 Verbände sollen ein Unterstützerschreiben für Infantinos Wiederwahl unterzeichnet haben. Ein möglicher Nebeneffekt des Modells ist, dass Weltmeisterschaften und Klub-WMs künftig häufiger als bisher alle vier Jahre stattfinden könnten, da das Unternehmen auf Gewinnmaximierung ausgerichtet wäre.

Der Plan von Infantino bietet auch lukrative Vorteile für die 211 Mitgliedsverbände der Fifa. Jeder Verband soll einen Anteil im Wert von rund 20 Millionen Dollar erhalten. Diese Anteile könnten die Verbände behalten oder an Investoren verkaufen, um zusätzliche Gelder für den eigenen Betrieb zu generieren. Dies könnte insbesondere für kleinere Verbände, die von den Zahlungen des Weltverbands abhängig sind, ein Argument sein, um für die Ausgliederung des WM-Turniers zu stimmen.

Die Fifa selbst soll eine Mehrheit an dem Unternehmen halten, während 20 bis 30 Prozent der Anteile an Investoren fließen sollen. Weitere rund 20 Prozent würden sich zu Beginn auf die verschiedenen Mitgliedsverbände verteilen, wobei dieser Anteil durch Verkäufe sinken könnte. Laut Fifa könnten die Ausschüttungen für die einzelnen Mitgliedsverbände in den WM-Zyklen dadurch deutlich steigen. Von derzeit acht Millionen US-Dollar pro Vierjahres-Zyklus stiege der Betrag demnach zunächst auf 20 Millionen und bis 2035 auf bis zu 24 Millionen US-Dollar.

Für Infantino persönlich könnte sich das Projekt finanziell lohnen. Berichten zufolge könnte sich sein Gehalt als Chef der neuen Gesellschaft am Einkommen von NFL-Commissioner Roger Goodell orientieren. Dieser verdient Schätzungen zufolge rund 64 Millionen Dollar pro Jahr. Für Infantino würde dies nahezu eine Verzehnfachung seines bisherigen Gehalts bedeuten. Die Fifa nahm durch das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada rund 13,1 Milliarden Euro ein.

Source: spiegel.de

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Niklas Bauer

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.