Norwegens Verband fordert Rücktritt
Der norwegische Fußballverband NFF hat sich für den sofortigen Rücktritt von FIFA-Präsident Gianni Infantino ausgesprochen. Nach einer Sitzung der Verbandsführung erklärte die NFF-Vorsitzende Lise Klaveness, dass der Verband Infantino nicht mehr vertraue und seinen Rücktritt fordern werde. Infantino verfüge nicht über das institutionelle Vertrauen, das erforderlich sei, um die Fifa in der derzeitigen Phase stabil zu führen.
Klaveness, die als eine der prominentesten Kritikerinnen Infantinos gilt, äußerte, dass es für den Schweizer keinen Weg zurück gebe und er im gegenwärtigen Chaos nicht mehr die Persönlichkeit sei, die alle vereinen könne. Sie fügte hinzu, dass außergewöhnliche Maßnahmen erforderlich seien, um einen dauerhaften Wandel herbeizuführen.
Hintergrund der Kritik
Die Forderung des NFF folgt auf massive Kritik an Infantinos Plänen, Anteile an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren zu verkaufen. Diese Pläne stießen auf erheblichen Widerstand, insbesondere von der Europäischen Fußball-Union UEFA, und mussten innerhalb weniger Tage zurückgezogen werden. Die UEFA hatte sich geschlossen gegen Infantino gestellt und drohte mit einem Boykott von FIFA-Wettbewerben.
Ein Strategiepapier zeigte, dass die FIFA eine Umstrukturierung zu einem globalen Wirtschaftsunternehmen anstrebte, unterstützt von der Investmentbank J.P. Morgan. Das Ziel war eine Kapitalaufnahme von bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar durch eine breit aufgestellte Investorengruppe. Die FIFA verglich sich mit Sportprodukten wie der National Football League NFL und der UEFA Champions League.
Die FIFA hatte den Mitgliedsverbänden im Rahmen dieser Pläne deutlich höhere Fördermittel in Aussicht gestellt, mit einer Steigerung der weltweiten Entwicklungsförderung von rund 1,7 Milliarden US-Dollar im Zyklus 2023 bis 2026 auf bis zu 8,4 Milliarden US-Dollar im Zyklus 2027 bis 2030. Langfristig sollten über zehn Milliarden US-Dollar für die Fußballentwicklung bereitgestellt werden.

Reaktionen und weitere Entwicklungen
Mehrere Nationalverbände, darunter England, Schweden, Wales und Serbien, zogen ihre Unterstützungsschreiben für Infantino zurück. Die UEFA bekräftigte, dass sie das Vertrauen in Infantino verloren habe und an ihrem Boykott der FIFA-Wettbewerbe festhalten wolle, solange die Bedingungen für eine Rückkehr nicht erfüllt seien.
Nach einer Krisensitzung in Marokko räumte die FIFA-Führung Fehler bei den Investorenplänen ein und entschuldigte sich öffentlich für das Vorgehen. Sie sicherte Infantino jedoch Unterstützung zu und betonte, dass er der einzige von den 211 Mitgliedsverbänden gewählte Verantwortliche an der Spitze des Weltverbandes sei. Die UEFA zeigte sich davon unbeeindruckt und bezeichnete die Erklärung als von Personen stammend, deren Karriere vom Wohlwollen des FIFA-Präsidenten abhänge.

Während der mexikanische Verband FMF Verständnis für Infantino zeigte und seine Führung unterstützte, äußerte sich auch der südamerikanische Verband Conmebol kritisch zu den Privatisierungsplänen. Im Gegensatz dazu bekräftigte das Exekutivkomitee des afrikanischen Kontinentalverbandes CAF einstimmig seine Unterstützung für Infantino und dankte ihm für seine langjährige Unterstützung des afrikanischen Fußballs.
Infantino ist ein Kandidat für die Wiederwahl im März 2027.
Source: zeit.de