Wie kann man die Deutsche Bahn zu seinem Wohnort erklären? Lasse Stolley, ein 19-Jähriger aus Fockbek, hat genau das getan und lebt seit Jahren im ICE. Seine Entscheidung kam nach dem Scheitern seiner geplanten Ausbildung zum Programmierer nach dem Realschulabschluss 2022.
Stolley besitzt eine BahnCard 100, die für Unter-26-Jährige knapp 6000 Euro im Jahr kostet. Diese Karte ermöglicht ihm, unbegrenzt durch Deutschland zu reisen, was er in vollem Umfang nutzt. Sein Lieblingsplatz ist der Ruhebereich im ICE 4, wo er oft die Landschaft genießt.
Die Idee, ein Transportmittel als Wohnort zu wählen, mag ungewöhnlich erscheinen, doch für Stolley ist es Alltag. Er wäscht seine Wäsche im Waschbecken und duscht in Schwimmbädern entlang der Strecke. „Da habe ich gedacht, das könnte ich auch einmal ausprobieren“, sagt er.
Die Entscheidung brachte jedoch auch Herausforderungen mit sich. Stolley hat keine feste Wohnung oder Adresse und zahlt keine Nebenkosten oder Kaution. „Meine Eltern waren sehr skeptisch“, erinnert er sich an ihre Reaktion auf seinen Lebensstil.
Doch es gibt auch positive Aspekte: Stolley lernte seine Freundin in der DB-Lounge kennen und sagt: „Unsere Beziehung funktioniert gut, auch wenn wir uns oft nur kurz sehen.“ Sein Leben ist von ständigen Reisen geprägt – „Frühstück mit Blick auf die Alpen, abends vielleicht an der Ostsee – das klingt nach Urlaub, ist für Lasse aber Alltag.“
Im April 2025 begann er beim privaten Eisenbahnunternehmen TRI im Fahrgastservice und startete kurz darauf seine Lehre zum Zugführer. Er schloss diese Ausbildung 2026 ab und sieht nun eine Zukunft in der Branche.
Lasse Stolley ist ein Beispiel für einen jungen Menschen, der in einer sich ständig verändernden Welt seinen eigenen Weg geht. Seine Geschichte wirft Fragen auf über Lebensstile und Möglichkeiten in einer modernen Gesellschaft.