Argentinien erreicht WM-Finale nach spätem Sieg gegen England

Argentinien landet gegen England nächsten Last-Minute-Coup und steht im WM-Finale - sportschau.de

Argentinien hat sich in einem hart umkämpften Halbfinale gegen England durchgesetzt und steht erneut im Finale der Weltmeisterschaft. Das Team von Trainer Lionel Scaloni drehte die Partie in den Schlussminuten und gewann mit 2:1 (0:0) in Atlanta. Damit verwehrten sie den Three Lions das erste WM-Endspiel seit 1966.

Die Begegnung war von Beginn an von Intensität geprägt. Schon in der ersten Minute gab es Nickeligkeiten, und nach zwei Minuten kam es zu einer ersten Rudelbildung, nachdem Enzo Fernández seinen Ellenbogen in den Nacken von Anthony Gordon gedrückt hatte. Der US-amerikanische Schiedsrichter Ismail Elfath versuchte, die hitzige Atmosphäre ohne frühe Gelbe Karten zu beruhigen, ermahnte unter anderem Giuliano Simeone nach einem überharten Einsteigen.

Die Rivalität zwischen den beiden Nationen, die seit 1966 legendäre WM-Duelle ausgetragen haben, war in jeder Sekunde spürbar. Politische Spannungen, die unter anderem auf den Falklandkrieg von 1982 zurückgehen, trugen zur aufgeladenen Stimmung bei. In der ersten halben Stunde gab es kaum Torschüsse, stattdessen prägten Fouls und Diskussionen das Spielgeschehen. Zur Halbzeit standen 19 Fouls – davon 12 für Argentinien – drei Torschüssen gegenüber.

Englands Führung und Argentiniens Comeback

Nach einer torlosen ersten Halbzeit, in der Lionel Messi in der 37. Minute mit einem Solo für Aufsehen sorgte, das jedoch von Elliot Anderson mit einem Foul gestoppt wurde, kam England in der zweiten Hälfte besser ins Spiel. Anthony Gordon brachte die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel in der 55. Minute nach einem Pass von Rodgers und Declan Rice verdient in Führung. Harry Kane hatte den Angriff mit einem langen Pass eingeleitet.

Nach dem Führungstreffer zog sich England jedoch weit zurück und agierte teilweise mit einer Siebenerkette an der eigenen Strafraumgrenze. Trainer Tuchel versuchte gestenreich, sein Team wieder nach vorne zu beordern, doch die Entlastung blieb aus. Der Druck von Argentinien nahm stetig zu. Jordan Pickford im englischen Tor musste mehrfach eingreifen und rettete unter anderem gegen einen Kopfball des kurz zuvor eingewechselten Nicolás González.

Das Glück schien zunächst auf Seiten der Engländer zu sein, als Alexis Mac Allister eine Viertelstunde vor Schluss per Kopf am Keeper scheiterte und sein anschließender Abschluss vom Innenpfosten zurück ins Feld prallte. Doch die Hilferufe von Pickford und Tuchel, die ihr Team nach vorne schieben wollten, verhallten.

Jubel von Enzo Fernandez und Lionel Messi
Jubel von Enzo Fernandez und Lionel Messi Credit: sportschau.de

Späte Tore sichern Argentinien das Finale

Fünf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit nutzte Argentinien den kollektiven Rückzug der Engländer. Lionel Messi, der auf der rechten Seite nicht angegriffen wurde, spielte einen Pass auf Enzo Fernández, der vor dem Strafraum zu viel Platz hatte und aus der Distanz zum Ausgleich traf (85.).

Die Nachspielzeit war bereits angebrochen, als Alexis Mac Allister erneut den Pfosten traf. Sekunden später schlug Lionel Messi von der rechten Außenbahn eine präzise Flanke, die der zehn Minuten vor Schluss eingewechselte Lautaro Martínez per Kopf zum 2:1-Siegtreffer verwandelte (90.+1). Messi bereitete beide Tore vor und steht bei seiner sechsten WM-Teilnahme nun zum dritten Mal im Finale.

Lionel Scaloni zeigte sich nach dem Spiel begeistert von seiner Mannschaft: „Diese Gruppe überrascht mich immer wieder aufs Neue. Es ist schwierig zu erklären. Schaut euch diese Fans an. Wir sind einzigartig, das ist keine Arroganz. Dieses Trikot gibt alles bis zum Ende, lässt alle Kräfte auf dem Platz.“ Englands Kapitän Harry Kane hingegen wirkte ratlos und gab zu: „Das ist natürlich sehr traurig für uns, für die Fans. Wir haben so hart gearbeitet, so sehr gekämpft. Aber wir haben am Ende leider einfach die Kontrolle verloren und keinen Druck mehr gegen den Ball gemacht.“

Argentinien hatte bereits in früheren K.o.-Spielen Comeback-Qualitäten bewiesen, darunter ein 0:2-Rückstand im Achtelfinale gegen Ägypten, der noch gedreht wurde. Nun treffen sie am Sonntag um 21 Uhr MESZ im Finale auf Spanien, die ihr Halbfinale mit 2:0 gegen Frankreich gewonnen hatten.

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Source: sportschau.de

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Niklas Bauer

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.