Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat den Vertrag mit Bundestrainer Julian Nagelsmann aufgelöst. Diese Entscheidung wurde nach dem frühen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft getroffen. Nagelsmann selbst hatte zuvor um die Vertragsauflösung gebeten, und diesem Wunsch wurde stattgegeben.
Gleichzeitig bestätigte der DFB, dass Gespräche mit Jürgen Klopp bezüglich der Neubesetzung des Traineramtes geführt werden. Klopp, der ehemalige Trainer von Liverpool und langjähriger Coach von Dortmund, hat bereits seine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, den Posten zu übernehmen. Während der WM war Klopp als Experte für Magenta TV tätig.
Nagelsmanns Abschied und die Kostenfrage
Nagelsmanns Amtszeit endete, nachdem die DFB-Elf im Sechzehntelfinale der WM im Elfmeterschießen gegen Paraguay ausgeschieden war. Unmittelbar nach dem Ausscheiden hatte Nagelsmann einen Rücktritt noch ausgeschlossen und im ZDF geäußert: „Ich bin keiner, der wegläuft.“ In den darauffolgenden Tagen nahm der mediale Druck auf den Trainer jedoch erheblich zu. Viele Expertinnen und Experten, darunter ehemalige Nationalspieler wie Mats Hummels, forderten einen Neuanfang auf der Trainerposition.
Die vorzeitige Vertragsauflösung mit Nagelsmann und die mögliche Verpflichtung von Klopp könnten für den DFB mit erheblichen Kosten verbunden sein. Berichten zufolge soll allein die Trennung von Nagelsmann bis zu sieben Millionen Euro kosten. Klopps Jahresgehalt könnte sich in ähnlichen oder sogar höheren Dimensionen bewegen, zusätzlich zu einer möglichen Ablösesumme an Red Bull, wo er derzeit als Head of Global Soccer tätig ist.
In einer Mitteilung des DFB dankte Präsident Bernd Neuendorf Nagelsmann für dessen „hohe Einsatzbereitschaft“ und „außerordentlichen Ehrgeiz“. Nagelsmann selbst äußerte sich in der Mitteilung: „Ich habe in den vergangenen Tagen seit dem Ausscheiden viel nachgedacht und mich mit Vertrauten in meinem persönlichen Umfeld und im Verband ausgetauscht.“ Er betonte, dass ihm die Entscheidung „alles andere als leichtgefallen“ sei.
Nagelsmann entschuldigte sich zudem bei den Fans: „Ihr habt uns getragen, ihr habt uns vertraut, ihr habt uns Energie gegeben, selbst in schwierigen Phasen.“ Er dankte auch seinem Trainerteam und den Spielern für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Seine Assistenten Benjamin Glück und Benjamin Hübner werden den DFB ebenfalls verlassen.
Sportdirektor Rudi Völler würdigte Nagelsmanns Entscheidung ebenfalls: „Nach dem für ausnahmslos alle enttäuschenden WM-Aus verdient Julians Entscheidung unseren Respekt. Weil er Verantwortung übernimmt, wo er gerne weiter gestalten würde, und die Nationalmannschaft als Ganzes über die eigene Person stellt.“
Veränderungen im DFB-Management und öffentliche Meinung
Neben der Trainerfrage wurde auch eine weitere Personalentscheidung bekannt gegeben: Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig wird seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag aus persönlichen Gründen nicht verlängern. Rettig hatte DFB-Präsident Neuendorf bereits vor Beginn der Weltmeisterschaft über diesen Schritt informiert.
Die öffentliche Meinung zur Trainerfrage und zur Zukunft des deutschen Fußballs ist geteilt. Eine Umfrage, an der 1001 Leserinnen und Leser teilnahmen, zeigte, dass 63 Prozent der Befragten Jürgen Klopp als Nachfolger befürworten. Als Alternativen wurden unter anderem Christian Streich (19 Prozent), Pep Guardiola (acht Prozent), Sebastian Hoeneß (neun Prozent) sowie Lothar Matthäus und Joachim Löw (beide elf Prozent) genannt.
Hinsichtlich der Verantwortung für das WM-Aus waren 49 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Spieler, Trainer und DFB-Führung gemeinsam die Schuld tragen. Von den einzelnen Beteiligten erhielten die Spieler mit 21 Prozent den höchsten Anteil. Nur 24 Prozent der Befragten glaubten an eine Trendwende im deutschen Fußball mithilfe der aktuellen DFB-Führung, während 49 Prozent dies verneinten. Dennoch sprachen sich 38 Prozent für den Verbleib von Rudi Völler als Sportdirektor aus.
Die größte Enttäuschung unter den Spielern waren laut Umfrage Manuel Neuer (15 Prozent), gefolgt von Leroy Sané (elf Prozent) und Joshua Kimmich (sieben Prozent). Trotzdem sprachen sich die meisten (40 Prozent) für einen Verbleib von Kimmich als Kapitän aus.
Klopp hatte sich bereits vor dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft zur Aufstellung geäußert, was zu Diskussionen führte. Er sagte in seiner Rolle als Experte mit Blick auf die deutsche Startelf: „Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf – noch.“ Später entschuldigte sich Klopp für diese Äußerung.
Die Entscheidung, Nagelsmanns Vertrag aufzulösen und Gespräche mit Klopp aufzunehmen, markiert einen bedeutenden Schritt für den DFB nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der Weltmeisterschaft.

Die Suche nach einem neuen Bundestrainer ist nun offiziell im Gange, wobei Jürgen Klopp als Topkandidat gilt. Er hatte in der Vergangenheit bereits mindestens zweimal die Möglichkeit, Bundestrainer zu werden, lehnte jedoch ab. Nun könnte der Zeitpunkt für beide Seiten passen.
Der DFB steht vor der Aufgabe, die Nationalmannschaft neu aufzustellen und für zukünftige Herausforderungen zu rüsten, nachdem Nagelsmanns Bitte um Vertragsauflösung stattgegeben wurde.
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Source: zeit.de