Druck auf Gianni Infantino wächst
Der Druck auf Gianni Infantino, den Präsidenten des Fußball-Weltverbandes FIFA, nimmt zu. Nach dem Rückzug des geplanten Teilverkaufs der Weltmeisterschaftsrechte an eine Investorengruppe, zu der auch der Bruder von Trumps Schwiegersohn, Joshua Kushner, gehört hätte, konzentriert sich die Aufmerksamkeit nun auf Infantino selbst. Die UEFA hat ihm in einer offiziellen Erklärung das Vertrauen entzogen und fordert, die Verantwortlichen zu benennen und zur Rechenschaft zu ziehen. Auch die Verbände von Wales und England haben ihre Unterstützung für Infantino bei der nächsten Wahl entzogen, da sie der Ansicht sind, dass das Wohl des Fußballs nicht an erster Stelle steht.
Ein möglicher Ablauf zur Absetzung Infantinos könnte laut der „Sunday Times“ eine Sondersitzung des FIFA-Councils sein, des wichtigsten Entscheidungsgremiums zwischen den FIFA-Kongressen. Dieses Gremium besteht aus 37 Mitgliedern. Für die Einberufung einer Krisensitzung müssten mindestens 19 Teilnehmer zustimmen, und das Treffen müsste innerhalb von zwei Wochen stattfinden. Dort könnte Infantino zum Rücktritt aufgefordert werden. Sollte er dies ablehnen, könnte ein Gegenkandidat aufgebaut werden, auf den sich Gegner aus Europa, Asien sowie Mittel- und Nordamerika einigen müssten.
Mögliche Herausforderer für das FIFA-Präsidentenamt
Mehrere Namen werden als potenzielle Herausforderer für Infantino gehandelt. Zunächst galt Nasser Al-Khelaifi, der katarische Besitzer von Paris Saint-Germain, als Favorit. Er hat jedoch bereits mitgeteilt, kein Interesse am Posten des FIFA-Chefs zu haben und bleibt vorerst Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee und Vertrauter von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin.
Aleksander Ceferin selbst, ein slowenischer Rechtsanwalt, wäre ein logischer Herausforderer. Er hat jedoch eine erneute Kandidatur für den europäischen Dachverband im Jahr 2027 ausgeschlossen, mit der Begründung, dass jede Organisation nach einer gewissen Zeit „frisches Blut“ benötige. Diese Aussage ist allerdings schon über zwei Jahre alt.
Auch der asiatische Verbands-Boss Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa aus Bahrain wird als möglicher Kandidat genannt. Er hatte bereits 2016 gegen Gianni Infantino kandidiert, unterlag jedoch knapp. Damals sah er sich mit Vorwürfen der Korruption und Menschenrechtsverletzungen konfrontiert.
Ein weiterer Name, der in Medienberichten mit Ambitionen in Verbindung gebracht wird, ist Victor Montagliani, Präsident des Kontinentalverbands Concacaf, der für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständig ist.
Zudem wird Mattias Grafström, der gebürtige Schweizer und seit 2024 offizielle FIFA-Generalsekretär, als potenzieller Kandidat gehandelt. Obwohl er als enger Vertrauter von Gianni Infantino gilt, soll er Medienberichten zufolge die Chance auf den höchsten Posten im Weltfußball sehen.
Bis zum 18. November können Kandidaten ihre Bewerbungen für die Wahl zum FIFA-Präsidenten einreichen. Bisher gibt es jedoch noch keinen offiziellen Gegenkandidaten zu Infantino.
Alternative Absetzungsmöglichkeiten und Infantinos Kampf um das Amt
Eine alternative Möglichkeit zur Absetzung Infantinos wäre, dass 43 der 211 FIFA-Mitglieder einen außerordentlichen Kongress beantragen und eine Mehrheit für ein Misstrauensvotum gegen ihn erzielen. Dies könnte seine Amtszeit bereits vor der regulären Wahl im März 2027 beenden.
Die Hauptsponsoren der FIFA sollen Berichten zufolge ebenfalls alarmiert sein angesichts der negativen Reaktionen auf Infantinos Verkaufsverhandlungen. Die beteiligte Bank JP Morgan soll sich aufgrund des weltweiten Protests aus dem Projekt zurückgezogen haben.
Laut der „Sunday Times“ plante Infantino, nach seiner dritten Amtszeit als FIFA-Präsident (Ende 2031) der neue Oberboss der WM-Firma zu werden, mit einem Jahresgehalt von 30 Millionen Dollar (26 Millionen Euro) zuzüglich Boni. Die FIFA bestreitet diese Angaben jedoch.
Infantino kämpft derzeit um sein Amt. Seine Vertrauten sprechen mit Vertretern von Ländern, insbesondere aus Afrika und Südamerika, von denen sie Unterstützung erhoffen. Der nächste FIFA-Wahlkongress ist für den 18. März 2027 in Rabat, Marokko, angesetzt, wo Infantino sich erneut zum Präsidenten wählen lassen möchte.
Source: bild.de