Die Pläne von FIFA-Präsident Gianni Infantino, Anteile an den kommerziellen Rechten der Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen, haben in der Politik und im Fußball für Aufruhr gesorgt. Sascha Binder (43), Fraktionschef der SPD in Baden-Württemberg, hat in einem Brief an DFB-Präsident Bernd Neuendorf ein bundesweites Stadionverbot für Infantino gefordert.
Binder bezeichnete Infantinos Vorschlag als einen „neuen Tiefpunkt in einer Reihe von Fehlern und fatalen Entscheidungen“. Er bat Neuendorf, über die deutschen Fußballvereine ein symbolisches Zeichen zu setzen und ein bundesweites Stadionverbot für den FIFA-Präsidenten zu verhängen. Ein solches Verbot würde signalisieren, dass Vereine und der DFB nicht länger bereit sind, den Fußball von Akteuren ruinieren zu lassen, die primär von Profitinteressen geleitet werden.
Infantinos Pläne und die Kritik
Nach Angaben der FIFA sollen private Geldgeber etwa 20 Prozent der Anteile an einem neu zu gründenden Tochterunternehmen namens FFE erwerben können. Der Wert dieses Unternehmens wird zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar geschätzt. Im FFE sollen die kommerziellen Rechte an den FIFA-Wettbewerben gebündelt werden, darunter die Männer- und Frauen-WM sowie die Klub-WM. Die FIFA würde dabei Mehrheitsgesellschafter bleiben und die Kontrolle über den Spielkalender sowie das Regelwerk behalten. Alle 211 FIFA-Mitgliedsverbände sollen ebenfalls kleinere Anteile an dem Unternehmen erhalten, die sie entweder behalten oder verkaufen könnten.
Die Kritik an diesen Plänen ist laut. Die UEFA hat bereits entsprechende Bedenken geäußert und bemängelte den intransparenten Prozess. Der europäische Verband betonte, dass niemand den Fußball besitze und es nicht an der FIFA sei, ihn zu verkaufen. Auch aus dem asiatischen Kontinentalverband (AFC) und dem aus Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik (CONCACAF) gibt es Kritik an der Vorgehensweise.
Binder sieht den Fußballsport durch die zunehmende Kommerzialisierung bedroht. Er argumentiert, dass Profit- und Vermarktungsinteressen den Sport im Profibereich zunehmend in den Hintergrund drängen, was Auswirkungen auf alle Bereiche des Fußballs hat. Er fügte hinzu, dass, wenn Werbepausen und Halbzeitshows wichtiger werden als das Spiel, der Fußball seine Seele verliert. Binder wirft Infantino vor, mit seinen „Kungeleien mit US-Präsident Donald Trump“ dem Fußball einen Bärendienst zu erweisen.
Druck auf Mitgliedsverbände und frühere Versuche
FIFA-Boss Gianni Infantino setzt die Nationalverbände unter Druck, um seine Pläne für den Teilverkauf der Fußball-WM-Rechte durchzusetzen. Laut Informationen geht sein Plan deutlich weiter, als vom Weltverband kommuniziert, und er hat den Nationalverbänden eine Frist gesetzt. In einem Brief an die Mitgliedsverbände erklärte Infantino, dass die Entscheidung „vollkommen demokratisch“ in ihren Händen liege. Sollten mehr als die Hälfte der Verbände, also 106, dem Plan zustimmen, könnten ab 2027 höhere Gelder fließen. Die Frist für die Zustimmung ist der 19. September.
Infantino rechnete den 211 Mitgliedsverbänden vor, dass sie ab 2027 statt der bisherigen zwei Millionen US-Dollar jährlich fünf Millionen erhalten könnten. Diese Summen gelten für einen Vierjahres-Zyklus. Für kleine Verbände, beispielsweise aus der Karibik und Ozeanien, stellen diese Beträge gewaltige Summen dar.
Ähnliche Vorstöße gab es bereits in der Vergangenheit. Infantino versuchte schon 2018, 25 Milliarden US-Dollar für große Klub-Weltmeisterschaften aufzutreiben, stieß jedoch auf Widerstand der UEFA, die ihr eigenes Produkt, die Champions League, schützen wollte. Auch in Deutschland gab es Anläufe, Investoren ins Boot zu holen, um Anteile an einer Gesellschaft zu veräußern, die die Medienrechte vermarktet. DFB-Präsident Bernd Neuendorf kritisierte die Vorgehensweise von Infantino scharf und betonte, dass das Council des Weltverbandes nicht in den Prozess eingebunden worden sei. Neuendorf appellierte an die Einheit der europäischen Mitgliedsverbände und zeigte sich überzeugt, dass die FIFA keine Investoren finden werde, sollte sich die UEFA geschlossen gegen den Plan stellen.

Trotz der Kritik ist die Mehrheit für Infantino nicht unbedingt gefährdet. Einige Verbandspräsidenten, wie der tschechische Verbandspräsident David Trunda, sehen Vorteile in den Plänen für ihren nationalen Fußball und sind bereit, mit Infantino zusammenzuarbeiten. Auch in Afrika und einigen einflussreichen Verbänden Asiens kann der FIFA-Präsident mit Zustimmung rechnen. Hans-Joachim Watzke, der Boss der „Bundesliga“, teilte die Ansicht vieler im europäischen Fußball, dass die Pläne der FIFA einen „absoluten Angriff auf den Fußball“ darstellen und eine Grenze überschritten werde.
Die FIFA teilte am Dienstag, den 28. Juli 2026, mit, dass sie eine Gesellschaft gründen wolle, die alle kommerziellen Aktivitäten und Turnierorganisationen des Weltverbandes bündeln soll.
Source: bild.de