Vingegaard äußert sich zum Sturz
Jonas Vingegaard, zweimaliger Gewinner der Tour de France, hat sich nach seinem Sturz bei der diesjährigen Ausgabe des Rennens erstmals geäußert. Der Däne, der nach dem Unfall mit einem Schlüsselbeinbruch ausschied und operiert werden muss, sprach über die Umstände, die zu dem Vorfall führten. Er vermutet, dass ein Motorradfehler eine Rolle gespielt haben könnte, als er und drei andere Fahrer in einem Kreisverkehr die Rechtskurve nicht bewältigten und gegen einen Bordstein prallten.
Vingegaard erklärte im dänischen Fernsehen, dass sich die Fahrer nicht ausschließlich auf Motorräder verlassen könnten und ihr eigenes Urteilsvermögen einsetzen müssten. Er räumte ein, dass auch die Fahrer Fehler gemacht hätten. Der Vorfall ereignete sich, als Vingegaard, der als Hauptrivale von Tadej Pogacar galt, in der dramatischsten Etappe der diesjährigen Tour zu Boden ging. Sein Teamkollege Victor Campenaerts konnte ihn offenbar nicht mehr rechtzeitig warnen.
Diskussion um nächtliche Dopingkontrollen
Eine weitere Diskussion, die sich hartnäckig hält, betrifft die nächtlichen Dopingkontrollen, die vor der 15. Etappe stattfanden. Sowohl Jonas Vingegaard als auch Tadej Pogacar wurden in der Nacht vor der Etappe zu Kontrollen geweckt. Die Fahrer hatten zuvor einen mehrstündigen Transport von Le Markstein in den Vogesen nach Champagnole in den Alpen hinter sich, was die Nacht ohnehin kurz machte.
Vingegaard wurde um 2 Uhr geweckt, Pogacar um 5 Uhr. Diese nächtlichen Tests, die in der Tiefschlafphase stattfanden, wurden von einigen als fragwürdig im Kampf gegen Doping angesehen. Vingegaard selbst wollte nicht spekulieren, ob die Kontrollen der Grund für seinen Sturz waren, betonte jedoch, dass Stürze bei Radrennen passieren.
Die International Testing Agency (ITA), die für die Kontrollen verantwortlich ist, hat die nächtlichen Dopingtests verteidigt. Eine Sprecherin der ITA erklärte gegenüber der ARD, dass die Tests den Regeln entsprochen hätten. Laut den Regeln des Radsport-Weltverbandes UCI sind nächtliche Kontrollen zwischen 23 Uhr und 6 Uhr erlaubt, allerdings nur bei einem schwerwiegenden und konkreten Verdacht auf Doping.
Die ITA-Sprecherin teilte mit, dass es in den aktuellen Fällen Indikatoren gegeben habe, die auf mögliche Verstöße bei den betroffenen Fahrern hindeuteten. Sie stellte jedoch klar, dass die nächtlichen Tests nicht als Beweis für Dopingverstöße interpretiert werden sollten. Die ITA betonte, dass Vingegaard und Pogacar nicht die einzigen Fahrer waren, die bei dieser Tour de France nachts getestet wurden. Solche Kontrollen seien Teil der aktuellen Teststrategie der ITA und notwendig, da bestimmte Substanzen nur wenige Stunden nachweisbar seien. Mit den Ergebnissen sei frühestens eine Woche nach der Tour zu rechnen.
Kritik und Genesung
Die nächtlichen Kontrollen stießen bei einigen Fahrern auf Unverständnis. Remco Evenepoel, der die Etappe gewann und in der Gesamtwertung den zweiten Platz von Vingegaard übernahm, bezeichnete die Tests als „unmenschlich und respektlos“. Er forderte ein Eingreifen der Fahrergewerkschaft CPA. Auch Vingegaards Teamkollege Matteo Jorgenson sprach von einem „kompletten Mangel an Respekt gegenüber den Fahrern“.
Pogacar hatte nach der Etappe am Sonntag spekuliert, ob der Sturz seines Rivalen mit dem Schlafmangel aufgrund der Kontrolle zusammenhängen könnte. Er betonte, dass jeder wisse, wie wichtig Schlaf sei und ein Entzug davon zu Unkonzentriertheit führen könne, auch wenn dies nicht die direkte Ursache für den Sturz sein müsse.
Trotz des Rückschlags blickt Jonas Vingegaard optimistisch auf die kommenden Tage im Krankenhaus und den anschließenden Genesungsweg. Er erklärte, dass es keinen Sinn mache, den Kopf hängen zu lassen, da dies die Situation nur verschlimmern würde. Vingegaard wird in den kommenden Tagen operiert, womit die Saison für ihn beendet ist.
Die Diskussionen um die nächtlichen Dopingkontrollen und die Umstände des Sturzes prägten die Tage nach der 15. Etappe der Tour de France.
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Source: bild.de