Frankfurt: Jürgen Klopp wird Bundestrainer – Marc Kosicke als Strategie-Co-Trainer

Er steckt hinter „Mia san Mia“: Er ist der Mann, den Klopp unbedingt wollte

Jürgen Klopp (59) wurde offiziell als neuer Bundestrainer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vorgestellt. Er unterzeichnete einen Vierjahresvertrag, der vom 15. August an bis zur Weltmeisterschaft 2030 läuft. Der Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung der DFB GmbH & Co. KG stimmten einstimmig für die Verpflichtung Klopps. Auch Per Mertesacker wird ab dem 1. Januar 2027 als Geschäftsführer Sport beim DFB tätig sein.

Klopp betonte, dass es eine große Ehre sei, Bundestrainer zu sein, und dass er alles geben werde, um der Nationalmannschaft zu helfen. Er sagte, die Nationalmannschaft könne die Deutschen wie kaum etwas anderes verbinden, was diese Aufgabe für ihn besonders mache. Er erwarte von den Spielern, dass sie die Berufung in den Nationalkader als etwas Besonderes ansehen.

Klopps Team und Bedingungen

Klopp bringt seine Assistenztrainer Peter Krawietz, Pepijn Lijnders und Sven Bender mit zum DFB. Eine entscheidende Rolle wird auch Marc Kosicke (55) spielen, Klopps langjähriger Berater und Geschäftspartner. Klopp bezeichnete Kosicke als seinen „Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation“.

Die enge Beziehung zwischen Klopp und Kosicke war eine Bedingung für Klopps Engagement beim DFB. DFB-Präsident Bernd Neuendorf bestätigte, dass Klopp und Kosicke so eng miteinander verbunden seien, dass sie nur zusammen zu haben gewesen seien. Kosicke, der als externer Mitarbeiter fungieren wird, soll vollen Zugang zum Verband haben, bis hin zum Büro des Präsidenten.

Die Zusammenarbeit zwischen Klopp und Kosicke begann bereits im Jahr 2006. Damals leitete Kosicke die Marketing-Abteilung von Nike. Ein Erfolg in dieser Zeit war, dass Nationalspieler beim DFB frei über die Wahl ihrer Schuhe entscheiden konnten und nicht an adidas gebunden waren. Kosicke verriet in einem Podcast, dass es ursprünglich nicht sein Plan war, Klopp als Klienten zu gewinnen. Nach der WM 2006, bei der Klopp als TV-Experte für das ZDF arbeitete, entwickelte sich jedoch eine Zusammenarbeit, die schnell zu einer Freundschaft wurde.

Als Kosicke sich 2007 mit seiner Agentur „projectFive“ selbstständig machte, gehörte Klopp neben dem damaligen DFB-Manager Oliver Bierhoff zu seinen ersten Klienten. Kosicke gilt als Pionier in der Rolle des Trainer-Beraters und vertrat später auch Trainer wie Julian Nagelsmann und Florian Kohfeldt sowie Manager wie Max Eberl bei Vertragsverhandlungen. Er soll auch eine gute Verbindung zu Bayern München haben.

Im Jahr 2008 entwickelte Kosicke den Slogan „Mia san Mia“ für Bayern München, nachdem er zufällig mit Uli Hoeneß auf einem Flug zu einem Fifa-Kongress in der Schweiz saß und Hoeneß das Image seiner Bayern als zu unklar empfand. Kosicke bot daraufhin seine Hilfe an.

Für seine neue Rolle beim DFB wird Kosicke sein Amt als Geschäftsführer seiner Agentur „projectFive“ aufgeben und auch keine anderen Trainer mehr betreuen. Er wird sich vollzeitlich dem Bundestrainer widmen. Der gebürtige Bremer, der in Kassel wohnt und mit der TV-Moderatorin Yvonne Ransbach verheiratet ist, hat drei Söhne. Er wird als Marketing- und Strategie-Genie beschrieben, der Stärken mitbringt, die Klopp selbst fehlen.

Klopps Vision und Medienkritik

Klopp hat angedeutet, dass er tief in die Strukturen des DFB gehen und jeden Stein umdrehen wolle, um den deutschen Fußball international wieder erfolgreich zu machen. Er sprach über „Gegenpressing“, „gute Organisation“ und eine „stabile Formation“, um eine klare Fußballidee erkennbar zu machen. Er merkte an, dass es eine Herausforderung sein könnte, dass der FC Bayern München mit Manndeckung spiele, es in der Nationalmannschaft aber keine Manndeckung geben werde. Stattdessen sollen Flügelstürmer und eine Viererkette zum Einsatz kommen.

Der neue Bundestrainer richtete auch eine deutliche Warnung an die Medien. Er sagte, wenn sich die Medien danebenbenehmen oder seine Familie nicht in Ruhe lassen, sei er weg. Er betonte, dass er den Job mache, obwohl er mitbekommen habe, wie mit Julian Nagelsmann umgegangen wurde. Klopp sprach auch darüber, dass er es bereue, während der WM 2022 gesagt zu haben, dass Nagelsmann die Mannschaft aufstelle – und dann zweimal „noch“ hinzugefügt zu haben.

Der DFB musste eine Million Euro an Red Bull zahlen, um Klopp aus seinem bis 2029 laufenden Vertrag als Head of Global Soccer zu entlassen. Dieses Geld geht an die Red-Bull-Stiftung Wings for Life. Teil der Vereinbarung ist auch, dass bis 2030 mindestens drei Länderspiele der Männernationalmannschaft am Red-Bull-Standort Leipzig ausgetragen werden.

Klopp war bis 2024 Trainer des FC Liverpool und hatte zuvor Borussia Dortmund und den FSV Mainz 05 trainiert. Er folgt auf Julian Nagelsmann, nachdem Deutschland bei der Weltmeisterschaft im Sechzehntelfinale gegen Paraguay ausgeschieden war.

Klopp sagte, er habe dreimal erlebt, wie erfolgreicher Fußball eine Stadt verändern kann, und er glaube, dass erfolgreicher Fußball ein Land verändern könne. DFB-Präsident Neuendorf zeigte sich erfreut über die Verpflichtung Klopps und betonte, dass Klopp von Anfang an die Wunschlösung gewesen sei und voller Energie stecke.

Source: bild.de

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Niklas Bauer

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.