Mainz: Jürgen Klopp sagt ersten Bundestrainer-Auftritt ab

DFB: Jürgen Klopp sagt ersten Bundestrainer-Auftritt ab - BILD

Jürgen Klopp, der neue Bundestrainer, hat seinen geplanten persönlichen Auftritt beim Internationalen Trainer-Kongress des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) in Mainz kurzfristig abgesagt. Ursprünglich sollte der 59-Jährige am Montagmorgen in der Mainzer Rheingoldhalle auf der Bühne stehen. Die Absage erfolgte, nachdem am Freitag bekannt wurde, dass Klopp das Amt von Julian Nagelsmann übernimmt.

Trotz seiner Absage wandte sich Klopp per Videobotschaft an die mehreren Hundert Gäste des Kongresses. In dieser Botschaft erklärte er seine Entscheidung mit nachdenklichen Worten. Er betonte, dass er nicht gleich zu Beginn seiner Amtszeit Schlagzeilen liefern möchte, ohne zuvor mit der Mannschaft gespielt zu haben.

Klopps Begründung und die neue Rolle

In seiner Videobotschaft äußerte sich Klopp zu seiner neuen Rolle: „Eigentlich sollte ich heute hier live und in Farbe sein. Und das hätte ich auch sehr gerne gemacht. Aber die Ereignisse haben sich überschlagen. Jetzt wisst ihr seit ein paar Tagen alle Bescheid, nachdem davor viele Geschichten in der Zeitung standen. Seit ein paar Tagen bin ich offiziell Bundestrainer unseres schönen Landes. Es ist ein großes Amt, dessen bin ich mir absolut bewusst.“

Klopp sollte beim Kongress ursprünglich über das Thema „Trainer werden ist nicht schwer, Trainer sein umso mehr“ sprechen. Er hatte vor, aus seiner Karriere zu erzählen und zu erläutern, wie er es geschafft hat, über viele Jahre bei seinen Vereinen erfolgreich zu sein. Als Bundestrainer könnte dieses Thema für ihn jedoch schnell unangenehm werden, wie er selbst anmerkte.

„Das wäre sicherlich ein interessantes Thema gewesen. Aber wenn ich mir jetzt vorstelle, was alles auf mich zukommt, könnte mir das in den nächsten Tagen und Wochen durchaus um die Ohren fliegen. Denn jetzt bin ich wieder Trainer geworden“, so Klopp. Er fügte hinzu, dass er sich nun darauf konzentrieren möchte, zu zeigen, dass er das Amt auch behalten kann.

Der neue Bundestrainer hat beim DFB einen Vertrag bis 2030 unterschrieben. Er tritt die Nachfolge von Julian Nagelsmann an, der seinen Posten nach dem WM-Aus räumen musste. Klopp wird offiziell am 15. August sein Amt antreten.

Vorbereitungen und zukünftige Aufgaben

Für sein erstes Spiel im September in Holland möchte sich Klopp nicht zu sehr in der Öffentlichkeit präsentieren. Er erklärte, dass er seinen Alltag noch nicht kenne und froh sei, dass das erste Spiel nicht bereits morgen stattfindet. Er werde die Mannschaft vor dem Spiel in Amsterdam in Herzogenaurach versammeln.

Nach dem Spiel gegen die Niederlande folgen bis zum 4. Oktober drei weitere Spiele. Klopp hat bereits „ein paar Dinge im Kopf“ bezüglich der Aufstellung, die jedoch noch nicht „druckreif“ seien. Er betonte, dass sicher nicht elf Spieler alle vier Spiele bestreiten werden.

DFB-Sportdirektor Rudi Völler (66) sprang kurzfristig als Gesprächsgast für Klopp beim Kongress ein. Klopp zeigte sich erfreut darüber und sagte: „Und jetzt etwas, das ich mir in meinem Leben nie vorstellen konnte: Für mich kommt jetzt Rudi Völler rein. Wenn mir das jemand vor ein paar Jahren gesagt hätte, dann hätte ich das wahrscheinlich für ausgeschlossen gehalten.“

Klopp plant, die DFB-Strukturen zu reformieren und die deutsche Nationalmannschaft wieder auf Kurs zu bringen. Er möchte „ohne Aktionismus Dinge anpassen und verändern“ und dabei auch das betrachten, „was nicht direkt den Fußball beeinflusst“. Dafür hat er seinen langjährigen Berater Marc Kosicke als externen Mitarbeiter für Strategie, Entwicklung und Innovation hinzugezogen. Ab Januar wird Per Mertesacker als Geschäftsführer Sport und Nachfolger von Andreas Rettig zum DFB stoßen. Klopp hat zudem einen engen Draht zu Hannes Wolf, dem Verbandsdirektor für Nachwuchs, Training und Entwicklung.

Der neue Bundestrainer hat sich nach seinem Job als WM-Experte und den Verhandlungen mit dem DFB zunächst eine einwöchige Auszeit erbeten. Er wird seinen Vortrag für den Bund Deutscher Fußball-Lehrer zu einem späteren Zeitpunkt halten.

Klopp hat ambitionierte Ziele für die Zukunft des DFB. Er hofft, dass in vier, fünf, sechs Jahren andere Verbände sagen werden, „sie wollen es so machen, wie sie es beim DFB gemacht haben“. Dies ist ein ehrgeiziges Vorhaben nach dem dritten WM-Debakel in Folge.

Der neue Bundestrainer wird seine Karriere mit dem ersten Spiel im September in Holland beginnen.

Source: bild.de

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Niklas Bauer

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.