Völler über die Nationalmannschaft und Klopp
Rudi Völler, der Sportdirektor des DFB, hat in Mainz auf dem Trainerkongress erste Einblicke in die zukünftige Ausrichtung der Nationalmannschaft unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp gegeben. Vier Wochen nach dem Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft gegen Paraguay skizzierte Völler die Konturen des Teams. Er betonte, dass der Großteil der Mannschaft, die bei der WM im Sechzehntelfinale scheiterte, beim Neustart im September unter Klopp wieder dabei sein werde.
Völler sprach auch über seine eigenen Überlegungen nach dem enttäuschenden WM-Abschneiden. Er gab an, dass er kurz davor gewesen sei, als DFB-Sportdirektor zurückzutreten. Nach Gesprächen mit der Führungsspitze des Deutschen Fußball-Bundes und Jürgen Klopp habe er sich jedoch entschieden, seinen Vertrag bis zur EM 2028 zu erfüllen.
Klopp selbst war bei der Veranstaltung in Mainz nicht anwesend. Der Weltmeister von 1990 vertrat ihn, da Klopp befürchtete, ein Vortrag an seiner alten Wirkungsstätte könnte ihm in den kommenden Wochen Schwierigkeiten bereiten. Klopp erklärte in einer Grußbotschaft, dass er vor seinem ersten Spiel keine weiteren Schlagzeilen liefern wolle, da er sich der Bedeutung seines Amtes bewusst sei.
Kaderstrategie und Erwartungen
Völler erläuterte, dass Klopp die Wucht des Amtes bereits spüre, die sich von einer Vereinsmannschaft unterscheide. Mit Blick auf die EM 2028, bei der es um das „nackte Ergebnis“ gehen werde, versprach Völler, dass Klopp bereits Ideen habe und es spannend werde. Er forderte, dass es schwerer werden müsse, die deutsche Mannschaft zu schlagen.
Jeder der 57 Kandidaten auf Klopps Liste müsse sich über Leistung empfehlen. Völler betonte, dass Spieler stets damit rechnen müssten, überprüft zu werden, ob sie noch zum Team gehören dürfen. Klopp werde jene Stars auswählen, die seinen „Heavy-Metal-Fußball“ spielen können; andere würden nicht aufgestellt oder nominiert.
Völler hob die Weltklasse-Qualitäten von Spielern wie Kai Havertz, Florian Wirtz und Jamal Musiala hervor und erwähnte, dass Serge Gnabry sicherlich noch ein Thema sein werde. Ein zentraler Punkt sei die Verbesserung der Defensive und die Notwendigkeit von Widerstandsfähigkeit, um keinen Millimeter nachzugeben.
Kapitänsfrage und Trainerphilosophie
Zur Kapitänsfrage äußerte sich Völler ebenfalls. Er lobte Joshua Kimmich als „Fahnenträger“ und „tollen Kapitän“ und konnte sich keine große Veränderung in dieser Rolle vorstellen. Kimmich sei vier Wochen nach dem WM-Desaster wieder beim FC Bayern zum Dienst erschienen. Es werde aber auch Spieler geben, die nach einem großen Turnier von sich aus zurücktreten oder nicht mehr eingeladen werden. Namen wie Leon Goretzka und Leroy Sané wollte er jedoch nicht kommentieren.
Völler sieht in Klopp den richtigen Mann, um die Massen wieder zu begeistern. Er hob Klopps Fähigkeit hervor, Menschen mitzureißen, auch in schwierigen Situationen, und bezeichnete dies neben seinem Fußballsachverstand als seine größte Stärke. Klopp habe die Qualität, Wucht und Macht, auch mal Dinge auszuprobieren, und man werde bei ihm auch mal ein Auge zudrücken, wenn etwas nicht sofort funktioniert.
Diese Fähigkeit habe Klopps Vorgänger Julian Nagelsmann zuletzt gefehlt, da jede seiner Entscheidungen negativ ausgelegt worden sei. Völler riet Klopp, auf sein „Bauchgefühl“ zu hören, und versprach, Entscheidungen gegebenenfalls zu verteidigen. Er äußerte die Hoffnung, dass es unter dem 59-Jährigen mittelfristig wieder bergauf gehen werde.

Völler freut sich auf die Zusammenarbeit mit Klopp und betonte, dass es super sei, dass er es geworden ist. Er glaubt, dass die deutsche Mannschaft an guten Tagen immer noch alle schlagen kann.
Source: web.de