Klopp als Bundestrainer: Fokus auf Spielidee statt Namen

Nationalmannschaft: Was ändert Klopp? Schon beim BVB und in Liverpool war seine Spielidee größer als Namen - WELT

Klopps Ansatz für die Nationalmannschaft

Jürgen Klopp wird das Erscheinungsbild der deutschen Nationalmannschaft verändern. Er hat bereits bei seinen früheren Stationen, dem BVB und Liverpool, gezeigt, dass er sein Spielsystem über die Namen einzelner Spieler stellt. Für sein erstes Spiel als Bundestrainer bleiben ihm noch 60 Tage.

Klopp hat sich noch nicht detailliert zu seinen Plänen geäußert, da die Zeit bis zu seinem ersten Länderspiel noch ausreichend ist. Der 59-Jährige betonte jedoch, dass er grundlegende Veränderungen anstrebt. Er hat eine Liste von Spielern erstellt, die sein Interesse geweckt haben, darunter 57 Feldspieler. Klopp merkte an, dass viele gute Spieler bei der letzten Weltmeisterschaft nicht ihre beste Leistung zeigten und es Verbesserungspotenzial gibt. Er forderte jeden Spieler, der für Deutschland spielberechtigt ist, auf, sich anzustrengen, da er genau hinschauen werde.

Veränderungen in Dortmund und Liverpool

Klopp wird voraussichtlich jungen Spielern Chancen geben, die möglicherweise nicht damit rechnen. Im Gegenzug bedeutet dies, dass er auf einige Spieler verzichten könnte, die in den letzten Jahren zum Kreis der Nationalmannschaft gehörten. Seine frühere Karriere belegt, dass er keine Scheu vor großen Namen hat.

Im Jahr 2008 wechselte Klopp von Mainz zum BVB und setzte dort ein klares Zeichen. Alexander Frei, ein Topstürmer, passte nicht in Klopps taktisches Konzept, das ein aggressives Pressing und laufstarke Spieler erforderte. Frei, der in den beiden vorherigen Spielzeiten in 45 Partien 22 Tore erzielt hatte und bei den Fans beliebt war, fand sich daraufhin zumeist auf der Bank wieder.

Klopp machte deutlich, dass der Trainer und nicht der Spieler das Sagen hat. Frei verließ den BVB nach der Saison und wechselte zum FC Basel. Auch Mladen Petric, ein technisch begabter Spieler, der nicht als Laufwunder galt, verließ den Verein vor Klopps Amtsantritt in Richtung HSV. Klopp legte kein Veto ein und holte stattdessen Mohamed Zidan, den er aus seiner Mainzer Zeit kannte, von Hamburg nach Dortmund.

Sein Erfolg bestätigte Klopps Ansatz. Er führte den BVB zwei Jahre nach seinem Amtsantritt zur Meisterschaft und verteidigte den Titel in der folgenden Saison. Im Jahr 2015 wechselte Klopp zum FC Liverpool. Dort übernahm er den englischen Klub im Herbst, nachdem Brendan Rodgers entlassen worden war. Klopp arbeitete zunächst mit einem Kader, den er nicht selbst zusammengestellt hatte, und führte die Mannschaft auf den achten Platz. Danach konnte er den Kader nach seinen Vorstellungen umgestalten.

Auch in Liverpool nahm Klopp keine Rücksicht auf große Namen. In seiner ersten Transferperiode verließen 19 Spieler den Klub oder wurden ausgeliehen, darunter Mario Balotelli, Christian Benteke und Luis Alberto. Dies markierte den Beginn eines Kaderumbaus, der 2019 im Champions-League-Triumph und ein Jahr später in der englischen Meisterschaft mündete.

Prioritäten im DFB-Team

Jürgen Klopp tritt offiziell als Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft an. Laut Berichten von Sky soll Klopp eine „Top-Priorität“ identifiziert haben: die Suche nach einem neuen Rechtsverteidiger. Bei der letzten Weltmeisterschaft hatte Joshua Kimmich diese Position inne, doch Klopp sieht den Kapitän Berichten zufolge nicht in dieser Rolle. Stattdessen könnte Kimmich wieder im Mittelfeld eingesetzt werden.

Sky zufolge richtet Klopp seinen Blick bereits auf die U-Nationalmannschaften, um potenzielle Rechtsverteidiger zu finden. U21-Coach Antonio Di Salvo setzte zuletzt auf Linus Gechter von Hertha BSC. Eine weitere Option könnte Nnamdi Collins von Eintracht Frankfurt sein. Der 22-Jährige erhielt im letzten September unter Nagelsmann eine Chance, wurde jedoch beim Stand von 0:1 zur Halbzeit in der Slowakei ausgewechselt und hatte seitdem kein weiteres Länderspiel.

Eine erfahrenere Lösung könnte Josha Vagnoman vom VfB Stuttgart darstellen. Der 25-Jährige hat bisher zwei Länderspiele bestritten und spielt mit den Stuttgartern in der kommenden Saison in der Champions League. Klopps Vorgänger Nagelsmann verzichtete bei der letzten Fußball-WM komplett auf einen gelernten Rechtsverteidiger im Kader, wobei Kimmich die Rolle übernahm. Lothar Matthäus schrieb in seiner Sky-Kolumne, dass Kimmich weiterhin ein Fixpunkt und Kapitän sei, und betonte, dass die Mannschaft wieder an Positionen arbeiten müsse, die bei der WM nicht besetzt waren, wie ein Rechtsverteidiger und ein echter Neuner. Diesen Ansatz will Klopp im DFB-Team wohl zeitnah verfolgen.

Mit Jürgen Klopp als Bundestrainer soll der Trend wieder nach oben zeigen
Mit Jürgen Klopp als Bundestrainer soll der Trend wieder nach oben zeigen Credit: sport.de

Source: welt.de

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Niklas Bauer

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.