Die europäischen Fußballverbände haben geschlossen einen Boykott der Weltmeisterschaft angedroht, sollte die FIFA an ihren geplanten Investorendeals festhalten. Uli Hoeneß, Ehrenpräsident des FC Bayern München, begrüßte diese Haltung und betonte die Stärke der europäischen Verbände. Er äußerte, dass ein Wettbewerb ohne europäische Beteiligung an Bedeutung verlieren würde.
Die 55 Mitglieder der Europäischen Fußball-Union (UEFA) haben einstimmig ihre Ablehnung gegenüber dem Vorschlag der FIFA zum Verkauf von Beteiligungsrechten an der WM und anderen FIFA-Wettbewerben an private Investoren zum Ausdruck gebracht. Sie lehnen dies unmissverständlich ab. Hoeneß ist der Ansicht, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino mit seinen Plänen nicht erfolgreich sein wird, wenn die Europäer geschlossen und konsequent handeln.
Widerstand gegen FIFA-Pläne wächst
Nicht nur die UEFA, sondern auch der für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige Kontinentalverband Concacaf hat die Investorenpläne der FIFA geschlossen abgelehnt. Obwohl der Concacaf keinen Boykott androhte, äußerte der Verband deutliche Kritik bezüglich des fehlenden ordnungsgemäßen Verfahrens, der künstlich verkürzten Frist und des Mangels an Prüfung oder Genehmigung durch die zuständigen FIFA-Gremien.
Ein weiterer Rückschlag für Infantino ist der Rücktritt seines leitenden Beraters, Carlos Cordeiro. Cordeiro erklärte, dass er aus Protest gegen die Pläne, Anteile an der Weltmeisterschaft zu verkaufen, zurückgetreten sei. Er bezeichnete das Vorhaben als „schlechtes Geschäft für den Fußball“, die FIFA-Mitgliedsverbände und die langfristige Zukunft des Sports.
Cordeiro, ein ehemaliger Banker mit über 35 Jahren Erfahrung im Bankwesen, betonte in einem Statement, dass er den Wert des Vermögenswerts Fußball verstehe und die Konsequenzen der Abgabe von Anteilen daran. Er war nach eigenen Angaben in keiner Weise an dem Vorschlag beteiligt und lehnt ihn entschieden ab. Die FIFA hatte zuvor mitgeteilt, durch den potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte, etwa an der WM, eine Milliardensumme einspielen und künftig allen 211 Verbänden mehr Geld auszahlen zu wollen.
Am Freitag positionierte sich auch der asiatische Fußballverband gegen die Pläne von Infantino. Die FIFA hatte am Dienstag angekündigt, über die geplante Tochtergesellschaft FFE mehr als vier Milliarden US-Dollar von externen Investoren einwerben zu wollen. Zukünftige WM-Turniere sollen dann unter dem Dach der neu gegründeten FFE organisiert werden, deren Mehrheits-Eigentümer der Weltverband wäre.
Hoeneß äußert sich zu Infantino und Eberl
Uli Hoeneß äußerte sich auch zu Infantino persönlich, wollte jedoch seine „spezielle, sehr starke Meinung“ noch nicht dezidiert bekannt geben, bestätigte aber auf Nachfrage, dass diese „auf jeden Fall“ gegen Infantino sei. Er hielt es für zu früh, über mögliche Nachfolger im Amt des FIFA-Präsidenten zu sprechen, hofft aber, dass Europas größte Verbände eine Allianz schmieden und gemeinsame Interessen vertreten könnten.
Der 74 Jahre alte Ehrenpräsident begrüßte das klare Statement von Sportvorstand Max Eberl, der Ekel geäußert hatte und sich für den neuen Einfall der FIFA schämte. Hoeneß betonte, er könne mit Eberls Äußerungen „gut leben“. Er legte sich auch bezüglich der Personalie Max Eberl fest. Nachdem er vor dem Pokalfinale im Mai noch von einer Tendenz „60 zu 40 für eine Verlängerung“ sprach, bezifferte er diese nun auf „hundert“.
Der Aufsichtsrat, dem Hoeneß angehört, wird voraussichtlich im August über eine Verlängerung von Eberls bis 2027 laufendem Vertrag entscheiden. Hoeneß hatte sich für frühere Aussagen im Vorfeld des vom FC Bayern gegen den VfB Stuttgart gewonnenen Pokalendspiels entschuldigt, die er als „naiv“ bezeichnete, da sie vorzeitig veröffentlicht wurden und Max Eberl dadurch vor dem Spiel nicht gut behandelt worden sei. Eberl und Hoeneß wurden am Rande eines Freundschaftsspiels im Gespräch gesehen.
Die FIFA reagierte auf die weltweite Kritik mit einer Erklärung am frühen Freitagmorgen, in der sie betonte, an der geplanten Konsultation festhalten zu wollen. Sie respektiert die öffentlich geäußerten Rückmeldungen und Bedenken und bekräftigt ihr Bekenntnis zu einem offenen und demokratischen Konsultationsprozess. Die FIFA erklärte weiter, dass ihr geplanter Konsultationsprozess durch falsche Medienberichte gestört worden sei und sie diesen fortsetzen werde, um sicherzustellen, dass jeder Mitgliedsverband seine Stimme auf der Grundlage von Fakten abgeben kann.
Infantino hatte angedeutet, dass die Vorschläge eine einfache Mehrheit benötigen würden, um angenommen zu werden, also 106 der 211 Mitglieder. Ohne die Unterstützung der drei Kontinentalverbände UEFA, Concacaf und des asiatischen Fußballverbands hätte er diese Mehrheit nicht mehr.

Die Diskussionen um die Investorenpläne der FIFA und die Reaktion der Kontinentalverbände dauern an.
Source: welt.de