Am 3. Mai 2026 wird der italienische Journalist Francesco Cancellato, Chefredakteur von Fanpage, zum Symbol für die Herausforderungen der Pressefreiheit in Italien. Er wurde 2025 mit der Spyware ‚Graphite‘ gehackt, eine Technologie, die Mikrofon und Kamera aktivieren kann und den Standort des Nutzers feststellt.
Cancellato ist bekannt für seine investigative Berichterstattung über Korruption, was ihn zu einem Ziel macht. „Ich bin überzeugt, dass ich als Chefredakteur einer politisch exponierten Redaktion bespitzelt wurde,“ erklärt er. Diese Bespitzelung wirft nicht nur Fragen zur Sicherheit von Journalisten auf, sondern auch zur Verantwortung der politischen Akteure.
Einige Schlüsselfakten:
- Italien belegt Platz 56 in der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen.
- Die Software ‚Graphite‘ wird von Paragon Solutions produziert, die nur an demokratische Staaten verkauft.
- WhatsApp registrierte Angriffe auf Journalisten in 14 EU-Ländern.
- Die italienische Regierung hat den Vertrag mit Paragon Solutions beendet, was jedoch umstritten ist.
Helene Hahn von Reporter ohne Grenzen äußert sich besorgt: „Die Überwachungsskandale werden auch in der EU nicht abreißen, solange Staaten die Möglichkeit haben, invasive Überwachungssoftware heimlich einzukaufen und zu nutzen.“ Die Situation zeigt die fragilen Strukturen des Schutzes für Journalisten in Europa und die Notwendigkeit einer strengen EU-Regulierung für Überwachungsfirmen.
Cancellato war der Erste, der den Paragon-Überwachungsskandal an die Öffentlichkeit brachte. Doch trotz dieser Offenlegung bleibt unklar, wer ihn tatsächlich bespitzelt hat und welche Interessen dahinterstecken. „Ihr einziges Ziel war es, sich selbst reinzuwaschen. Nicht, mir Gerechtigkeit zu verschaffen,“ sagt Cancellato über die Reaktionen seiner Kritiker.
Die Debatte um Pressefreiheit und Datensicherheit wird durch diese Vorfälle neu entfacht. In einer Zeit, in der Informationen Macht bedeuten, ist es entscheidend zu erkennen: Wenn wir heute zulassen, dass ein Journalist bespitzelt wird, ohne mit der Wimper zu zucken – wer weiß, was wir morgen alles durchgehen lassen.