Nach der Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador im letzten Gruppenspiel der Fußball-WM 2026 hat DFB-Sportdirektor Rudi Völler versucht, die aufkommende Kritik zu besänftigen. Völler trat am Samstagvormittag in Winston-Salem im Auditorium der Wake Forest University auf, um die Stimmung rund um das Team zu beruhigen und Optimismus zu verbreiten. Sein Auftritt dauerte etwa 25 Minuten.
Völler, der seit etwa drei Jahren als Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) tätig ist, wird von Bundestrainer Julian Nagelsmann als väterliche Figur beschrieben. Für den 66-Jährigen ist dies die fünfte WM, nachdem er zuvor als Spieler, Teamchef und nun als Direktor teilgenommen hat. Er betonte, dass er sich auf die positiven Aspekte konzentriere und die Kritik nicht überbewerten wolle. Er erinnerte daran, dass man vor einigen Wochen noch zufrieden gewesen wäre, bereits nach zwei Spieltagen als Gruppenerster festzustehen.
Völlers Appell und die Rolle der Offensivspieler
Die Kritik nach dem 1:2 gegen Ecuador bezog sich unter anderem auf mangelnde Körperlichkeit, umstrittene Spielerwechsel und Probleme in der Offensive. Völler stärkte Nagelsmann den Rücken und verteidigte dessen Wechsel, die seiner Aussage nach abgesprochen und richtig gewesen seien. Er hob hervor, dass er vorab über die Entscheidungen informiert war. Völler betonte, dass es keinen Grund gebe, Nagelsmann ständig in Schutz nehmen zu müssen, doch sein Auftritt diente erneut dazu, den Bundestrainer zu unterstützen.
Ein zentrales Thema war die Leistung der Offensivspieler Jamal Musiala und Florian Wirtz. Völler formulierte eine klare Erwartung an die beiden 23-jährigen Spieler: „Um die ganz großen Ziele zu erreichen, müssen diese Spieler liefern.“ Er räumte ein, dass „noch ein bisschen Luft nach oben“ sei, was die Spieler selbst wüssten. Er hob die enorme Entwicklung der beiden in den letzten Jahren hervor. Während Kai Havertz zwei Tore erzielte und Musiala eins, traf Wirtz in der Vorrunde noch nicht. Der eingewechselte Deniz Undav erzielte drei Tore.

Völler äußerte sich optimistisch bezüglich der bevorstehenden Aufgaben: „Jetzt geht die WM richtig los. Mein Glaube und meine Hoffnung sind da. Es fehlt nicht mehr viel, das Ding richtig zu zünden.“ Er machte deutlich, dass Musiala und Wirtz liefern müssten, um bei dieser WM weit zu kommen. Er merke bei beiden, dass es „gar nicht mehr so weit weg ist“ und sie „nah dran“ seien. Musiala habe bereits ein Tor erzielt, und Wirtz habe noch viele Möglichkeiten, damit am Montag oder in den nächsten Spielen zu beginnen.
Blick auf das K.o.-Spiel und die Kapitänsfrage
Am Sonntag reist die Mannschaft mit Nagelsmann und Völler nach Boston. Das erste K.o.-Spiel der WM für Deutschland findet am Montag um 22.30 Uhr gegen Paraguay in Foxborough statt. Völler betonte, dass der Fokus vollständig auf diesem Spiel liege und man den Gegner ernst nehmen müsse. Er warnte davor, zu weit vorauszublicken, obwohl mögliche Achtelfinalbegegnungen gegen Frankreich und Viertelfinalspiele gegen die Niederlande im Raum stünden.
Völler zeigte sich zuversichtlich, dass die Mannschaft am Montag „alles raushauen“ und „absolut ans Limit gehen“ werde. Er betonte, dass Paraguay zwar nicht spektakulär spiele, aber konsequent verteidige und um jeden Meter kämpfe. Die Südamerikaner gewannen 1:0 gegen die Türkei, was ein aufreibendes Geduldsspiel für Deutschland bedeuten könnte. Völler äußerte seinen Glauben, dass die Mannschaft an guten Tagen, wenn sie am Limit spielt, gegen jede Mannschaft gewinnen könne.
Auch die Diskussion um Kapitän Joshua Kimmich wurde angesprochen. Völler hatte den Spieler des FC Bayern kürzlich als „Fahnenträger“ der deutschen Auswahl bezeichnet. Er verteidigte Kimmich und betonte, dass das Team mit ihm als Kapitän und seinen Leistungen sehr zufrieden sei. Kimmich werde dort spielen, wo es für die Mannschaft am besten sei. Völler selbst sieht Kimmich auf beiden Positionen, sowohl als Rechtsverteidiger als auch im zentralen Mittelfeld, als „absolut top“ an.
Völler hat persönliche Erinnerungen an Paraguay: Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea besiegte Deutschland unter seiner Leitung als Teamchef die Südamerikaner im Achtelfinale mit 1:0.
Read Also
- Frankreich sichert sich Gruppensieg und könnte im Achtelfinale auf Deutschland treffen
- Deutschland verliert gegen Ecuador: Körperliche Defizite und taktische Fragen vor dem Achtelfinale
- Senegal siegt deutlich gegen Irak, Norwegen verliert gegen Frankreich
- DFB-Team trifft im Sechzehntelfinale auf Paraguay
Source: spiegel.de