Le Court sichert sich Etappensieg nach ereignisreicher Fahrt
Kim Le Court (Soudal – Quick-Step) hat die sechste Etappe der Tour de France Femmes für sich entschieden. Auf der 153,4 Kilometer langen Strecke von Montbrison nach Tournon-sur-Rhone setzte sich Le Court im Sprint einer achtköpfigen Spitzengruppe durch. Sie überquerte die Ziellinie knapp vor der Französin Cédrine Kerbaol (EF Education – Oatly) und der Niederländerin Puck Pieterse. Die deutsche Fahrerin Liane Lippert (Movistar) aus Friedrichshafen erreichte als beste Deutsche den sechsten Platz.
Le Court berichtete von einem ereignisreichen Rennen. Sie hatte in der Abfahrt zum letzten Anstieg einen Defekt und musste das Rad wechseln. Ihr Team unterstützte sie dabei, wieder ins Feld zurückzukehren. Trotz dieser Schwierigkeiten und der Aussage, absolut am Limit gewesen zu sein, fand sie die nötige Kraft für den Schlusssprint. Dies war ihr zweiter Etappensieg bei der Tour und eine Entschädigung für einen bisher eher enttäuschenden Verlauf der Rundfahrt.
Die 30-jährige Le Court versuchte eine späte Attacke, die jedoch von Elisa Longo Borghini (UAE – L’Imad) vereitelt wurde. Später schloss sie die Lücke zu Riejanne Markus, hatte aber nach eigenen Angaben keine Reserven mehr. Dennoch konnte sie rund 300 Meter vor dem Ziel ihren Sprint anziehen und sich durchsetzen. Für das Team war dieser Etappensieg von großer Bedeutung, da er als etwas Besonderes gilt und Etappensiegerinnen eher in Erinnerung bleiben als Fahrerinnen auf den Plätzen fünf oder zehn.
Die Gruppe der Favoritinnen um das Gelbe Trikot erreichte das Ziel mit einem Rückstand von 28 Sekunden. An der Spitze der Gesamtwertung gab es vor der morgigen Königsetappe zum Mont Ventoux keine Veränderungen. Die Schweizerin Marlen Reusser (Movistar) führt weiterhin mit einem Vorsprung von zwölf Sekunden vor der Niederländerin Demi Vollering (FDJ United – Suez). Die Polin Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM) behauptet den dritten Rang mit 1:17 Minuten Rückstand.
Longo Borghini rückte auf den vierten Platz vor und verdrängte die Rosenheimerin Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM) auf den fünften Platz. Le Court verbesserte sich durch ihren Sieg vom 13. auf den neunten Rang in der Gesamtwertung. Die 23-jährige Niedermaier konnte ihr Weißes Trikot verteidigen, ebenso wie Pieterse das Gepunktete Trikot der besten Bergfahrerin. Lorena Wiebes (SD Worx – Protime) bleibt an der Spitze der Punktewertung, und UAE – L’Imad führt weiterhin in der Teamwertung.
Verlauf der sechsten Etappe
Die Etappe begann wie schon am Vortag mit einem Anstieg kurz nach dem Start. An der ersten von sechs Bergwertungen, der Côte de Périgneux (4. Kategorie), sicherte sich Pieterse die maximal möglichen zwei Zähler. Danach ging Loes Adegeest (Lidl – Trek) in die Offensive und erhielt kurz darauf Begleitung von Nikola Nosková (Cofidis) und Katrine Aalerud (Uno-X Mobility).
Das Trio erarbeitete sich einen Vorsprung von mehr als zweieinhalb Minuten. Nosková holte sich die nächsten beiden Bergpreise. An der Côte d’Aurec (3. Kategorie) erhöhte Vollering das Tempo, was zu einer Verkleinerung des Feldes führte. Dabei hatte auch Anna van der Breggen (SD Worx – Protime) Schwierigkeiten und verlor später den Anschluss. Aalerud gewann den Zwischensprint, während Wiebes hinter Noemi Rüegg (EF Education – Oatly) 13 Zähler für ihr Grünes Trikot sammelte.
An der Côte de Praneuf (4. Kategorie) war erneut Nosková vorne. Im Feld sorgten Pieterses Team, EF Education und SD Worx für Tempo, wodurch der Abstand auf rund 30 Sekunden sank. Nosková, Aalerud und Adegeest wurden schließlich vom Feld eingeholt. Pieterse sicherte sich den Bergpreis am Col de Lalouvesc (2. Kategorie).
In der langen Abfahrt machte die Lokalmatadorin Célia Gery immer wieder Druck und konnte sich 34 Kilometer vor dem Ziel absetzen. Kurz darauf erhielt sie Begleitung von Kerbaol, Pieterse, Lippert, Longo Borghini und Sarah van Dam (Visma – Lease a Bike). Im schrumpfenden Feld arbeitete Niedermaier für ihre Teamkollegin Niewiadoma, um die Lücke zu schließen. Diese blieb jedoch bei rund einer halben Minute, da Longo Borghini vorne ein hohes Tempo vorgab. 16 Kilometer vor dem Ziel holte sich Pieterse auch den letzten Bergpreis.
Kurz darauf setzten sich Markus und Le Court aus der nun rund 20-köpfigen Favoritengruppe ab und schlossen kurz vor dem Bonussprint neun Kilometer vor dem Ziel zur Spitze auf. Le Court sicherte sich auch die sechs Bonussekunden vor Longo Borghini. Die Gruppe um das Gelbe Trikot wurde nun von Vollering angeführt, die dafür sorgte, dass der Rückstand von 40 Sekunden in der finalen Abfahrt fast halbiert wurde. Aus der uneinigen Spitzengruppe zog Le Court vier Kilometer vor dem Ziel davon, doch Longo Borghini führte die Verfolgerinnen einen guten Kilometer später wieder heran. Die Italienerin fing kurz darauf auch die attackierende Markus ein, die jedoch kurz vor dem Teufelslappen erneut angriff, aber nicht wegkam. Le Court zog dann rund 300 Meter vor dem Ziel ihren Sprint an und behauptete sich knapp vor Kerbaol und Pieterse. Lippert belegte hinter van Dam und Gery den sechsten Platz vor Longo Borghini.
Blick auf den Mont Ventoux
Am Freitag steht die mit Spannung erwartete Königsetappe zum Mont Ventoux an. Dieser Berg, auch bekannt als der Riese der Provence, ist 1910 Meter hoch und weist Steigungen von bis zu 15 Prozent auf. Er ist berüchtigt für seine anspruchsvollen Bedingungen und hat in der Geschichte des Radsports bereits viele dramatische Momente erlebt.
Die deutsche Meisterin Franziska Koch äußerte sich positiv über die Entwicklung des Frauenradsports und die Fähigkeit der Fahrerinnen, auch große Berge zu bezwingen. Für Antonia Niedermaier, die in der Gesamtwertung eine vordere Platzierung einnimmt, ist der Mont Ventoux Neuland. Sie kennt den Berg bisher nur von ihrem Analyse-Tool. Die Rundfahrt endet am Sonntag in Nizza.

Source: radsport-news.com