Matthias Sammer kritisiert DFB-Team scharf und bietet Hilfe an

DFB: Harte Sammer-Abrechnung! „Ein Spiegelbild unserer Gesellschaft“ - Sport Bild

Sammer kritisiert DFB-Team nach WM-Aus

Matthias Sammer, ehemaliger DFB-Sportdirektor, hat die deutsche Nationalmannschaft nach ihrem vorzeitigen Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft deutlich kritisiert. In einem Interview äußerte der 58-Jährige seine Besorgnis über den Zustand des Teams. Er vermisst bei der Mannschaft den unbedingten Siegeswillen und eine klare spielerische Identität.

Sammer zog einen Vergleich mit der argentinischen Mannschaft, deren Spielweise er der aktuellen deutschen Mannschaft vorzieht. Obwohl die Südamerikaner während des Turniers wegen ihrer harten Spielweise in der Kritik standen, sieht Sammer dort Eigenschaften, die er bei Deutschland vermisst. Er beschrieb die aktuelle Verfassung der deutschen Mannschaft als „hilflos“, sowohl sportlich als auch mental.

Der Europameister von 1996 betonte, dass die Probleme tiefer liegen als nur mangelnde Fitness oder taktische Defizite. Für ihn sei der Eindruck entscheidend, dass der Mannschaft der unbedingte Siegeswille fehle. Sammer kritisierte zudem die Entwicklung innerhalb des DFB, wo der Leistungsgedanke seiner Meinung nach über Jahre in den Hintergrund geraten sei. Er sprach von einem Streben nach Bequemlichkeit und Zufriedenheit, anstatt nach Leistung.

Forderungen nach grundlegenden Veränderungen

Sammer sieht die Nationalmannschaft als „ein Spiegelbild unserer Gesellschaft“, in der manchmal mehr Schein als Sein existiere. Er forderte grundlegende Veränderungen beim DFB und betonte, dass der Verband inhaltlich wieder die Führungsrolle übernehmen müsse. Dazu gehöre die Suche nach den richtigen Personen, die die übergeordneten Leitlinien der inhaltlichen Arbeit festlegen.

Ein weiterer wichtiger Punkt für Sammer ist die Rückbesinnung auf die klassischen deutschen Tugenden. Er kritisierte, dass sich Deutschland für seine traditionellen Stärken schäme. Es sei notwendig, dass der Kampfgeist wieder wichtiger werde als die „B-Note für die Schönheit des Spiels“.

Sammer betonte, dass ein Konzept von Kindesalter an bis zum Ende einer möglichen Karriere die Grundlage für Erfolg sei. Er verwies auf seine eigene Zeit als DFB-Sportdirektor von 2006 bis 2012, in der er diese Grundlagen gelegt habe und die schließlich zum WM-Titel 2014 führte.

Angebot zur Hilfe und Blick auf die Zukunft

Trotz seiner scharfen Kritik hat Sammer dem DFB seine Hilfe angeboten. Er habe den beiden wichtigsten Vertretern des Verbandes signalisiert, dass er bereit sei, dem deutschen Fußball inhaltlich zu helfen. Dabei gehe es ihm nicht um eine Funktion oder einen Posten für sich selbst, sondern um die Inhalte, in denen er sich auskenne.

Sammer äußerte sich auch optimistisch über den zukünftigen Bundestrainer Jürgen Klopp. Er hält Klopp für den Richtigen für diese Position, da dieser für Physis und hohes Tempo stehe. Klopp habe eine klare Spielidee mit und gegen den Ball sowie Aura und Autorität.

Andere Persönlichkeiten des Fußballs haben sich ebenfalls für eine Rückkehr Sammers zum DFB ausgesprochen. Tobias Schweinsteiger forderte nach dem Aus von Julian Nagelsmann eine „Veränderung“ und Sammers Rückkehr, um den Leistungsgedanken wieder stärker zu verankern. Auch Berti Vogts betonte die Wichtigkeit eines starken Mannes an der Seite des Bundestrainers und nannte dabei Sammer als einzigen Kandidaten.

Sammer sieht die neuen Spielformen von DFB-Direktor Hannes Wolf, die wieder mehr dem Straßenfußball ähneln, als „überragend“ an. Er fordert jedoch, dass der DFB weg von flachen Hierarchien und wieder echte Führung zulassen müsse.

Die Kritik Sammers und sein Angebot zur Unterstützung unterstreichen die Notwendigkeit von Veränderungen im deutschen Fußball nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der Weltmeisterschaft.

Sammer war bereits von 2006 bis 2012 als Sportdirektor beim DFB tätig und seit 2010 auch als Nachwuchskoordinator für die Neustrukturierung der Nachwuchsarbeit zuständig.

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Source: sportbild.bild.de

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Niklas Bauer

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.