Nagelsmanns Entwicklung und die Rolle von Lena sowie Völler

WM-Kolumne von Lothar Matthäus: Wie Lena & Völler Nagelsmann helfen

Bundestrainer Nagelsmanns Entwicklung und die WM-Leistungen

Julian Nagelsmann, der Bundestrainer, hat nach der Gruppenphase der Weltmeisterschaft eine Bewertung von 3 für die bisherigen Leistungen der Mannschaft erhalten. Die gezeigten Leistungen wurden als befriedigend eingestuft. Positiv wurde sein glückliches Händchen bei Einwechslungen im Spiel gegen die Elfenbeinküste hervorgehoben. Kritisch wurde angemerkt, dass er es nicht geschafft hat, der Mannschaft die notwendige Fokussierung gegen Ecuador zu vermitteln.

Um im Turnier weiterzukommen, müssen sich bestimmte Aspekte der Mannschaftsleistung verbessern, beginnend mit dem kommenden Spiel gegen Paraguay. Nagelsmann selbst scheint ruhiger und souveräner geworden zu sein, sein Auftreten wird als gereifter beschrieben. Er schützt seine Mannschaft öffentlich, was als positiv wahrgenommen wird, da er das Vertrauen der Spieler nicht verlieren möchte.

Ein Grund für Nagelsmanns positive Entwicklung wird in seiner Frau Lena gesehen, die als ehemalige Sportjournalistin mit den Medien vertraut ist und ihm Ratschläge gegeben haben soll. Zudem wird er vom DFB nicht allein gelassen, anders als Hansi Flick vor vier Jahren. Rudi Völler, der Sportdirektor, zieht im Hintergrund die Fäden und unterstützt Nagelsmann mit seiner Erfahrung als Spieler, Teamchef und Funktionär. Völler ist überzeugt, dass Nagelsmann der ideale Trainer ist, um das Beste aus der Mannschaft herauszuholen.

Taktische Überlegungen und die Rolle von Joshua Kimmich

In der Vorrunde der Weltmeisterschaft hat die deutsche Mannschaft weniger Torchancen erarbeitet als noch bei der WM 2022. Die körperliche Präsenz der Gegner, insbesondere gegen die Elfenbeinküste und Ecuador, war auffällig, da sie sich häufiger gegen die deutschen Spieler durchsetzen konnten. Dies wird als eine Frage der Einstellung betrachtet, für die der Trainer verantwortlich ist.

Besonders vermisst wird eine ordnende Hand im Spiel nach vorn. Für das Wachstum einer Mannschaft während eines Turniers ist Führung auf dem Platz entscheidend. In dieser Rolle wird Joshua Kimmich vermisst, der in schwierigen Situationen Ruhe und Übersicht bewahren kann. Es wird argumentiert, dass Kimmich zu 100 Prozent ins Mittelfeld gehört, wo er mehr Einfluss auf das Spiel nehmen kann. Von der rechten Abwehrposition aus sei es für ihn schwieriger, beispielsweise auf einen Spieler wie Wirtz vorne links Einfluss zu nehmen.

Im Mittelfeld könnte Kimmich zudem seine fehlende Geschwindigkeit besser kompensieren. Dort könnten seine Qualität, Erfahrung und Intelligenz besser genutzt werden. Als Sechser neben Nmecha könnte er das Spiel aufbauen und gefährliche Chip-Bälle auf die Angreifer spielen. Die zunehmende Geschwindigkeit der Außenstürmer der Gegner, die im Schnitt schneller sind als Kimmich, wird als weiteres Argument für eine Umpositionierung angeführt. Eine mögliche Alternative für die rechte Abwehrseite wäre Brown, während Raum links spielen könnte. Es wird betont, dass Julian Nagelsmann hier nicht stur sein sollte, um ein frühes Ausscheiden zu vermeiden.

Die Argumentation des Bundestrainers mit Kimmichs Werten als rechter Verteidiger von der EM 2024 wird kritisch hinterfragt. Damals gab es im Mittelfeld erfahrene Führungsspieler wie Kroos, Gündogan und Andrich, was Kimmich eine andere Rolle als rechter Verteidiger ermöglichte. Zu dieser Zeit konnte er an der Linie entlang marschieren, während Kroos das Spiel von hinten lenkte.

Mentalität und Kaderentscheidungen für die K.o.-Runde

Für die K.o.-Runde ist es entscheidend, dass die deutsche Mannschaft wieder präsenter auftritt und die Mentalität zeigt, die sie traditionell stark gemacht hat. Es geht darum, Zweikämpfe nicht nur anzunehmen, sondern sich auch wirklich zu wehren. Obwohl viele Talente mit Weltklasse-Potenzial im Kader sind, reicht dies allein bei einer Weltmeisterschaft nicht aus. Spiele auf höchstem Niveau, die auf Messers Schneide stehen, werden nicht allein durch Potenzial gewonnen, sondern erfordern Mentalität.

Nagelsmann muss möglicherweise unbequeme Entscheidungen treffen, da er Spieler, die nicht die erwartete Leistung bringen, nicht einfach mitziehen kann. In der K.o.-Runde sollte er sich auf diejenigen Spieler konzentrieren, die bisher hundertprozentig oder zumindest überwiegend überzeugt haben. Es wird angenommen, dass die Mannschaft zwei bis drei Wechsel in der Startelf vertragen könnte.

In Bezug auf die finanzielle Seite gehört Julian Nagelsmann zu den Topverdienern unter den Trainern der Weltmeisterschaft. Mit einem geschätzten Jahresgehalt von rund sieben Millionen Euro belegt er den zweiten Platz im weltweiten Ranking, nur übertroffen von Brasiliens Trainer Carlo Ancelotti, der etwa zehn Millionen Euro erhalten soll. Rudi Völler zeigt sich überzeugt von der Arbeit des Bundestrainers und geht fest von einer weiteren Zusammenarbeit zwischen dem DFB und Nagelsmann bis zur EM 2028 aus.

Nagelsmann trat den Posten nach der Trennung von Hansi Flick im Jahr 2023 an und ist seit über 1000 Tagen im Amt. Völler bezeichnet ihn als die Idealbesetzung für diese Position und lobt seine Entwicklung in den vergangenen drei Jahren. Obwohl Nagelsmann durch seine Art polarisieren mag, wird er als ehrlicher Mensch und außergewöhnlicher Trainer beschrieben. Sein Vertrag als Bundestrainer läuft bis zur EM 2028 in Großbritannien und Irland, soll aber Ausstiegsklauseln enthalten.

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Source: bild.de

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Niklas Bauer

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.