Hamburgerin Tamara Korpatsch gewinnt Heimturnier am Rothenbaum

Deutsches Tennis-Märchen in Hamburg 34 Jahre nach Steffi Graf

Tamara Korpatsch (31) hat sich bei den Hamburg Ladies Open (WTA 250) ihren Traum erfüllt und das Turnier in ihrer Heimatstadt gewonnen. Im Finale setzte sich die Deutsche gegen Anna Bondar (29) aus Ungarn mit 6:3, 6:3 durch. Dieser Sieg ist der erste einer deutschen Spielerin am Rothenbaum seit Steffi Graf im Jahr 1992.

Für ihren Erfolg erhielt Korpatsch 32.520 Euro Preisgeld und macht einen Sprung in der Weltrangliste. Sie verbessert sich um 35 Plätze auf Rang 46, was einen Karrierebestwert darstellt und sie zur deutschen Nummer eins macht. Ihr vorheriger und erster Titel auf der WTA-Tour war 2023 in Cluj-Napoca/Rumänien.

Ein emotionaler Sieg in der Heimat

Korpatsch zeigte sich nach dem Match überglücklich. Sie beschrieb ihre Nervosität vor dem Spiel, konnte diese aber auf dem Platz ablegen. Die Hamburgerin, die für den Club an der Alster spielt, startete stark und führte im ersten Satz schnell mit 4:1. Im zweiten Satz gelang ihr das entscheidende Break zum 3:2. Nach 1:27 Stunden Spielzeit nutzte sie ihren ersten Matchball zum Sieg.

Turnierdirektorin Sandra Reichel äußerte sich ebenfalls erfreut über den Erfolg der Lokalmatadorin. Reichel hob hervor, dass Korpatsch nie als Supertalent galt und keine Förderung vom Deutschen Tennis-Bund (DTB) erhielt. In ihren Anfangsjahren reiste sie mit ihrem Vater von Turnier zu Turnier, wobei sie aus Kostengründen im Auto übernachteten. Auch in der Corona-Zeit trainierten sie auf einem Möbelhaus-Parkplatz.

Korpatsch erinnerte sich daran, wie sie als Kind mit der Hamburg-Fahne auf den Center Court einlief und oft gefragt wurde, ob sie die nächste Steffi Graf sein würde. Sie bezeichnete es als Ehre, die nächste Deutsche nach Graf zu sein, die in Hamburg gewonnen hat, und betonte die besondere Bedeutung des Titels in ihrer Heimatstadt und ihrem Heimatverein.

Küsschen: Tamara Korpatsch und ihre Hündin Stella
Küsschen: Tamara Korpatsch und ihre Hündin StellaQuelle:REUTERS/Fabian Bimmer Credit: welt.de

Nach ihrem ersten WTA-Titel 2023 war Korpatsch aufgrund von Krankheiten und Verletzungen bis auf Platz 185 der Weltrangliste zurückgefallen. Sie betonte, wie schwer es war, sich aus dieser Situation zu befreien, und zeigte sich stolz darauf, dies nur mit Unterstützung ihrer Familie geschafft zu haben.

Turnierentwicklung und Ausblick

Das Turnier am Rothenbaum feierte in diesem Jahr auch die Premiere des ITF-Rollstuhltennis-Turniers. Im Finale der Hamburg Wheelchair Open besiegte Lizzy de Greef ihre niederländische Kontrahentin Aniek van Koot mit 6:2 und 6:2. Turnierdirektorin Sandra Reichel zeigte sich nach neun Tagen Tennis müde, aber zufrieden und betonte, dass das Turnier mehr als nur ein Tennisturnier sei und die Sichtbarkeit des Frauensports erhöhen wolle.

Der DTB-Präsident Dietloff von Arnim hob die Bedeutung des Turniers als Plattform für deutsche Talente hervor, da insgesamt acht Spielerinnen das Hauptfeld erreichten. Trotz einer insgesamt guten Resonanz mit rund 20.000 Fans, die den Rothenbaum besuchten, war die Anlage unter der Woche oft leer. Reichel verglich die Situation mit einem Start-up und erklärte, dass sich das Turnier nach dem Ende des Doppel-Events mit den Herren im Jahr 2024 neu positionieren müsse.

Der Vertrag mit dem Titelsponsor „MSC“ läuft nach zwei Jahren aus. Reichel plant, sich im Herbst mit MSC und der Stadt Hamburg zusammenzusetzen und ist zuversichtlich hinsichtlich einer Fortsetzung. Der Termin für das Turnier 2027 steht noch nicht fest; Reichel würde das Turnier gerne eine Woche vorverlegen, um es direkt nach dem Rasen-Klassiker in Wimbledon stattfinden zu lassen. Eine Entscheidung der WTA wird voraussichtlich um die Zeit der US Open (23.8. – 13.9.) erwartet.

Im Vorfeld des Finales fand ein Showmatch zwischen Turnierbotschafterin Andrea Petković und der ehemaligen Weltranglisten-Ersten Martina Hingis statt, das Hingis in drei verkürzten Sätzen für sich entschied.

Source: bild.de

Hamburgerin Tamara Korpatsch gewinnt Heimturnier am Rothenbaum image 2

Niklas Bauer

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball und internationale Wettbewerbe.