Nach dem frühen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft herrscht weiterhin Frustration. Joshua Kimmich äußerte sich enttäuscht über das Turnieraus, betonte jedoch, dass ein Rücktritt aus dem Nationalteam für ihn keine Option sei. Er sei stolz, Kapitän der Mannschaft zu sein, auch wenn die Enttäuschung über den Verlauf des Turniers groß sei. Kimmich erklärte, dass er Zeit benötigen werde, um das Geschehene zu verarbeiten, aber Aufgeben sei für ihn niemals eine Möglichkeit.
Das DFB-Team bedankte sich in den sozialen Medien bei seinen Fans für die Unterstützung während der Fußball-WM. Gleichzeitig übte die Mannschaft Selbstkritik für das frühe Ausscheiden und prangerte diskriminierende Hasskommentare an. In einem Post auf dem Instagram-Account der Nationalmannschaft wurde betont, dass Kritik an den Leistungen berechtigt sei und zum Sport gehöre, Hass und Rassismus jedoch nicht akzeptiert würden. Der Fußball stehe für Gemeinschaft und Zusammenhalt, nicht für Spaltung. Die Mannschaft räumte ein, dass sie es nicht geschafft habe, ihr Potenzial zu zeigen, und deshalb zu Recht frühzeitig aus dem Turnier ausgeschieden sei.
Diskussionen um Nagelsmann und Spielerleistungen
Ein rätselhafter Beitrag von Said El Mala auf TikTok nach dem deutschen WM-Aus gegen Paraguay sorgte für Diskussionen. Der Offensivspieler des 1. FC Köln, der von Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht für die Weltmeisterschaft nominiert wurde, veröffentlichte eine Bildergalerie mit der Frage: „Hat sich das gelohnt?“ Viele Fans deuteten den Post als versteckte Botschaft an Nagelsmann. El Mala war im vergangenen November erstmals für die A-Nationalmannschaft nominiert worden, kam aber nicht zum Einsatz. Nagelsmann verzichtete vor der WM erneut auf den Kölner Spieler, was zu Diskussionen führte.
Nico Schlotterbeck gab nach dem WM-Aus ebenfalls emotionale Einblicke. Er kündigte an, alles für ein schnelles Comeback zu geben, nachdem er sich einen Bänderriss im linken Knöchel in der Partie gegen die Elfenbeinküste zugezogen hatte. Für Nagelsmann war der Ausfall des Dortmunders bitter, da Schlotterbeck der einzige Linksfuß in der Innenverteidigung war und für den Spielaufbau als sehr wichtig galt. Schlotterbeck beschrieb seine Gefühle als das Zusammenbrechen dessen, wofür er lange gearbeitet habe, und betonte, dass es ihn am meisten fertig mache, der Mannschaft wegen seiner Verletzung nicht helfen zu können.
Rassistische Kommentare in den sozialen Medien haben laut FIFA während der Fußball-WM stark zugenommen. Elf Prozent aller als beleidigend eingestuften Beiträge seien rassistischer Natur, was einen Zuwachs von drei Prozent im Vergleich zur WM in Katar 2022 darstelle. Die FIFA meldete 1.000 Accounts an Strafverfolgungsbehörden.
Kritik von DFB-Legenden und die Suche nach einer neuen Spielidee
Der frühere Weltmeisterkapitän Philipp Lahm forderte nach dem WM-Desaster eine umfassende Überprüfung der deutschen Nationalmannschaft. Er betonte, dass man sich Gedanken über alle Aspekte machen und hinterfragen müsse, wenn Deutschland dreimal hintereinander das Achtelfinale einer Weltmeisterschaft verpasse. Lahm äußerte, er sei nie so fassungslos gewesen wie bei diesem Ausscheiden im Elfmeterschießen gegen Paraguay. Er kritisierte das Fehlen einer klaren Spielidee und Kontinuität, die in der Vergangenheit vorhanden gewesen sei, nun aber schon lange fehle.
Lahm regte an, sich an Topnationen wie Spanien, Frankreich und Argentinien zu orientieren, die seit Jahren eine konsistente Spielweise verfolgten. Bei der Aufarbeitung des Debakels müsse der Deutsche Fußball-Bund (DFB) entscheiden, welche Spielweise und Idee man künftig verfolgen wolle. Danach müsse entschieden werden, ob der aktuelle Trainer oder das Trainerteam für diesen Weg geeignet sei oder ob ein Wechsel erforderlich sei. Nagelsmann hatte zuvor erklärt, seinen Vertrag bis 2028 erfüllen zu wollen. Lahm selbst schloss eine Rolle als DFB-Funktionär nicht aus, betonte aber, aktuell keine Aufgabe zu suchen.

Auch Toni Kroos und Michael Ballack äußerten scharfe Kritik. Kroos bemängelte in seiner TikTok-Sendung „Kroos & Kroos: die WM unter der Lupe“, dass die deutsche Mannschaft aktuell keinen einzigen Weltklasse-Spieler habe, sondern lediglich Spieler mit Weltklasse-Potenzial. Er stellte fest, dass Weltklasse-Spieler die WM-Spiele entscheiden würden und Deutschland in dieser Hinsicht niemanden besitze. Kroos glaubt, dass die Mannschaft nicht mehr in der Lage sei, einen Gang hochzuschalten, was er auf Unsicherheit oder Selbstüberschätzung zurückführte. Er kritisierte die Haltung, man sei besser als Paraguay und würde schon irgendwie gewinnen.
Ballack vermisste grundlegende Tugenden, die Deutschland einst ausgezeichnet hätten. Er beklagte, dass die DFB-Elf nicht mehr in der Lage sei, schwierige Situationen zu meistern. Ballack beschrieb, wie die Mannschaft gut starte, aber bei einem Gegentor oder Fehler das „Kartenhäuschen zusammenbricht“. Er sah die Erklärung dafür nicht unbedingt beim Trainer, sondern vor allem bei den Spielern. Die Selbstverantwortung der Spieler auf dem Platz sei entscheidend, und man müsse wissen, auf wen man sich verlassen könne und welche „Knöpfe“ man drücken müsse.
Eine neue Regel bei der WM, die das Verdecken des Mundes bei Disputen mit Gegenspielern unter Strafe stellt, führte erneut zu einer Roten Karte. Ecuadors Piero Hincapié erhielt in der Nachspielzeit der Partie gegen Mexiko eine Rote Karte, nachdem er sich mit verdecktem Mund mit Mexikos Santiago Giménez gestritten hatte. Der Schiedsrichter Slavko Vinčić sah sich die Szene auf dem Bildschirm an und entschied auf Platzverweis. Bereits in der Gruppenphase hatte Paraguays Miguel Almirón wegen derselben Geste eine Rote Karte erhalten.
Ein emotionaler Moment ereignete sich nach dem 1:0-Treffer von Kylian Mbappé für Frankreich gegen Schweden. Mbappé stürmte nach seinem Tor auf seinen Trainer Didier Deschamps zu. Der Hintergrund war, dass Deschamps während der WM einen schweren persönlichen Verlust erlitten hatte, da seine Mutter verstorben war. Mbappés Geste wurde als Botschaft der Unterstützung für den Trainer interpretiert, was Deschamps auf der anschließenden Pressekonferenz als sehr berührend bezeichnete.
Read Also
Source: web.de